| Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, Hamburg

Big Data ist schon lange da! Bericht

Was wissen Social Media-Unternehmen von mir und wie kann ich mich schützen? Was müssen Eltern und Schulen leisten, um Medienkompetenz zu vermitteln? Und was kann die Politik tun, um Bürger zu schützen? 


nter dem Motto „Gib Data – Big Data“ diskutierten Experten auf der Social Media Week in Hamburg, welche Chancen und Risiken sich hinter „Big Data“ verbergen. Eingeladen dazu hat die Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH). Durch die Veranstaltung führte Moderator und Medienjurist Stefan Dirks im Gespräch mit der Wissenschaftlerin und Bloggerin Julia Schönborn, Jan Girlich als Vertreter des Chaos Computer Clubs und Steffen Voss, SPD Online- und Social Media-Referent. Mit dabei: Jugendliche vom Gymnasium Eckhorst in Bargteheide.

Ein junger Mann spricht zum Thema Medienbildung in ein Mikrofon
Juan, Bufdi für Medienbildung am Gymnasium Eckhorst Bargteheide - Foto MA HSH

Nach der Begrüßung durch Dr. Thomas Voß, Leiter des Bereichs Programm und Medienkompetenz der MA HSH, zitierte Stefan Dirks den Wikipedia-Eintrag zu „Big Data“: „Der Begriff bezeichne Datenmengen, die zu groß oder komplex seien, sich zu schnell änderten, um mit den klassischen Methoden der Datenverarbeitung ausgewertet zu werden.“ Als Quellen dienten jegliche elektronische Kommunikation, Aufzeichnungen von Überwachungssystemen oder Daten, die Behörden und Firmen sammeln. Big Data könne so auch Bereiche abdecken, die bisher als privat galten. „In den 70er Jahren gab es die Rasterfahndung, heute gibt es das Web 2.0 mit Sozialen Netzwerken, die uns durchleuchten ­­– und das auf sehr subtile Art. Denn wir geben die Daten freiwillig preis“, so Dirks.

Ein praktisches Beispiel, das viele aus ihrer persönlichen Mediennutzung kennen, ist Facebook: Die erst kürzlich geänderten AGB des Konzerns führten zu einem öffentlichen Aufschrei. Ermöglichen sie doch, dass die Bewegungen der Nutzer im Internet nun auch außerhalb der Plattform „getrackt“, also verfolgt und ausgewertet werden. Eine Nachfrage beim Publikum ergab: Abgemeldet hat sich deswegen nur einer. In der persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnung werden die persönlichen Daten offensichtlich (noch) nicht als sonderlich wertvoll angesehen.

Ist da nicht die Politik in der Pflicht, den Nutzer vor sich und seinem eigenen Verhalten zu schützen? Steffen Voss, Blogger sowie Online- und Social Media-Referent der SPD in Schleswig-Holstein, stimmte dem zu: „Datenschutz bedeutet: Wie schütze ich das Individuum vor dem Interesse von Organisationen? Das ist immer eine ethische Frage. Und die muss gestellt werden bei einem nationalen Gesetz, das auf ein internationales Internet angewendet wird.”

Julia Schönborn, Wissenschaftlerin und Bloggerin, sprach sich klar gegen Verbote aus: „Verbote bringen bei Erwachsenen genauso wenig wie bei Kindern. Man kann auch Facebook datensparend nutzen. Wer die Vor- und Nachteile abgewogen hat, ist in der Lage individuell zu entscheiden, ob er Soziale Netzwerke nutzen möchte oder nicht.“

Julia Schönborn, Wissenschaflterin und Bloggerin Steffen Voss, Internetreferent SPD Schleswig-Holstein sitzen nebeneinander
Julia Schönborn, Wissenschaflterin und Bloggerin und Steffen Voss, Internetreferent SPD Schleswig-Holstein - Foto MA HSH

Für Pia, Schülerin am Gymnasium Eckhorst in Bargteheide, ist Facebook eine Art Adressbuch. Über die Plattform hält sie Kontakt zu Freunden, die sie nicht täglich sehen kann. Fotos lädt sie schon seit längerem nicht mehr hoch. Mitschülerin Luca stimmte ihr zu: Sie nutzt Facebook, um über Veranstaltungen auf dem Laufenden zu bleiben. Das war‘s.

Juan, Bundesfreiwilligendienstleistender für Medienbildung am Gymnasium Eckhorst in Bargteheide, erklärte, dass nach seiner Erfahrung viele Eltern – aufgeschreckt durch die Berichterstattung der Medien – ihren Kindern die Nutzung Sozialer Netzwerke nicht erlauben würden. Medien dürften jedoch nicht zu einem erziehungsfreien Raum werden.

Julia Schönborn fügte hinzu: „Leute mit geringer Onlinekompetenz geben ihre ‚Internetangst‘ an ihre Kinder weiter.“ Allerdings löse das Nichtnutzen des Internet das Problem ebenso wenig: „Die Kinder brauchen die Kompetenzen dringend.“

Der Chaos Computer Club e.V. setzt sich für Transparenz und Datenschutz ein. CCC-Aktivist und Softwareentwickler Jan Girlich: „Die Daten der Bürger liegen offen. Die der Entscheider, der Staaten und Unternehmen sind aber intransparent. Gerade diejenigen also, die ihr Geld mit unseren Daten verdienen, achten sehr auf ihre Privatsphäre.“ Girlich ist mit dem Projekt „Chaos macht Schule“ an Schulen in Hamburg unterwegs und klärt Lehrer, Schüler und Eltern über Datenschutz und einen verantwortungsvolle Internetnutzung auf. Auch Steffen Voss forderte aus eigener Erfahrung als ehemaliger Lehramtsstudent: „Es müsste zur Ausbildung zukünftiger Lehrerinnen und Lehrer gehören, im Bereich Medienkompetenz noch umfassender geschult zu werden.“

Foto von Moderator Stefan Dirks und Jan Girlich, ChaosComputerClub (CCC)
Moderator Stefan Dirks und Jan Girlich, ChaosComputerClub (CCC) - Foto MA HSH

Big Data – ein Thema so groß wie die Datensätze, die Unternehmen über uns sammeln. Was nach der Veranstaltung bleibt: Viele Schüler sind medienkompetent und bereits gut aufgestellt, um der Sammelwut der Konzerne die Stirn zu bieten. Und es gibt Experten, die bereit sind, die Diskussion voran zu treiben. Dr. Thomas Voß (MA HSH) verglich zum Abschluss der Runde den Umgang mit dem Internet mit der Ernährung: „Das Internet gehört zum Alltag dazu. Nicht alles, was wir nutzen, tut uns gut, aber wir machen es trotzdem. Wichtig ist, dass wir uns dieser Ambivalenz bewusst sind und mit den Konsequenzen verantwortungsvoll umgehen.“