Fachtagung „Frühe Kindheit und Medien“

Medial ab Geburt Bericht

Fachtagung „Frühe Kindheit und Medien“ am 20. Juni 2014 in der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg.


Rund 100 Studierende und Berufstätige aus dem sozialen, medienpädagogischen und wissenschaftlichen Bereich trafen sich Ende Juni zur Fachtagung „Frühe Kindheit und Medien“ in der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). Die Tagung wurde von wissenschaftlichen Mitarbeitern der Fakultät für Wirtschaft und Soziales und dem Department für Soziale Arbeit organisiert. Als Referenten konnten profilierte Forscher und Praktiker aus der bundesdeutschen Medienkompetenz-Szene gewonnen werden.

Ein Kinderfinger bedient ein Tablet
(c) Felix Amsel
  • Prof. Norbert Neuß von der Universität Gießen forderte eine abwägende Medienerziehung zwischen Dramatisierung und Bagatellisierung problematischer Medieninhalte. „Katastrophenagenten“ wie der Hirnforscher Manfred Spitzer, die sogar einen medienfreien Raum für alle Unter-16-Jährigen proklamierten, würden fern jeder Lebensrealität agieren. Um Medienbildung in die Kitas zu bringen, reiche es allerdings auch nicht aus, Plätzchen in Pokémon-Form zu backen.
  • Prof. Nadia Kutscher von der Uni Vechta erweiterte die Diskussion um das Stichwort von der „Ressource Kind“. Es sei von Seiten der globalen Wirtschaft erwünscht, dass Kinder „medienkompetent“ würden, also den technischen Umgang mit Medien quasi im Schlaf beherrschten. Die daraus entstehenden Problematiken von Datenschutz und Privatsphäre seien somit schon ab der Geburt zu bedenken.
  • Sabine Eder vom Blickwechsel e.V. fordert für die praktische Arbeit in Kitas einen unvoreingenommenen Zugang zur frühkindlichen Medienbildung. Medienkompetenz müsse als Kulturtechnik „für alle“ vermittelt werden. Ihr Vortrag wurde untermalt mit einer Vielzahl von beeindruckenden Videoclips und Bildern, die Kita-Kinder selbst mit Medien erstellt haben. Sie stellte klar: Kinder können, Kinder wollen gestalten. Also kann natürliches Handeln der Kinder beides sein: Mit Buntstiften Malen und auf dem Tablet wischen.
"Medienbildung in der Kindheit – Muss das sein?" - Video auf YouTube ansehen

Nach den Vorträgen konnten die Besucher mit verschiedenen Akteuren der frühkindlichen Medienbildung, die ihre Materialien und Projekte vor Ort präsentierten, in den fachlichen Austausch treten. So war außer dem Blickwechsel e.V. und dem Communitysender TIDE auch die Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH) mit einem Stand vertreten. Sie hatte die Fachtagung außerdem finanziell unterstützt.

Dass eine nachhaltige Medienkompetenzförderung sowohl in der Aus- und Weiterbildung pädagogischer Kräfte sowie in der Arbeit mit Kindern aber auch deren Eltern und Familien fest integriert werden muss, das war dann das Fazit der Podiumsdiskussion zum Ende der Veranstaltung. Lothar Hay, Vorsitzender des Medienrats der Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH), formulierte das Ziel, den Frühkindlichen Bereich in medienerzieherischen Fragen zukünftig mehr zu unterstützen.

Viele Fragen aus dem Plenum wiesen auf einen hohen Bedarf an Aufklärung und Unterstützung im medienpädagogischen Bereich hin – und ebenso auf Motivation und Interesse der Studierenden an der HAW. Daher soll es auch 2015 wieder eine solche Tagung geben. Zu einer erneuten Kooperation ist die MA HSH gerne bereit.

Interviews auf YouTube

"Medienbildung in der Kindheit – Wie ist der Stand?"
"Medienbildung in der Kindheit – Wie kann sie gelingen?"
"Medienbildung in der Kindheit – Was fehlt?"
"Die Statementgeber"