Schule und Medien

Ausgebildet zur Mutmacherin

Theorie und Praxis sind oft genug ein beinahe sprichwörtlicher Gegensatz. Aber nicht bei Catharina Frehoff. Am Husumer Gymnasium wendet sie an, was sie kurz zuvor im „Zertifikatskurs Medienerziehung“ gelernt hat. Und das klappt sehr gut.


Im Klassenraum der 7b der Theodor-Storm-Schule in Husum ist es laut. Die Schüler sitzen in kleinen Gruppen zusammen, einige tippen konzentriert etwas in iPads und Smartphones. Andere diskutieren hitzig. Vorne auf dem Pult sitzen die 15-jährige Hanna und der 16-jährige Gordon. „Also, was habt ihr herausgefunden, wie viele Nutzer hat Facebook aktuell?“, fragen sie die Klasse.

Catharina Frehoff nickt zufrieden. „Genauso soll es sein!“, freut sie sich. Im MedienScout-Projekt des Gymnasiums bringen ältere Schüler, die Catharina Frehoff dafür extra ausbildet, den 12- bis 13-Jährigen Medienkompetenz bei. Und zwar ganz alltagsnah. Heute geht es um Facebook, Instagram, Twitter, Snapchat, Skype und WhatsApp. In Gruppenarbeit beantworten die Siebtklässler Gordons und Hannas Fragen rund um Urheberrecht, Nutzerprobleme und Suchtgefahren. In einer Woche werden die Kinder das erlernte Wissen aus sieben Stunden MedienScout-Unterricht ihren Eltern präsentieren. Damit das klappt, leitet Catharina Frehoff ihre MedienScout-AG an, wie sie es in der erfolgreich absolvierten Ausbildung am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH) gelernt hat. In dieser Stunde kann sie sich entspannt zurücklehnen. Gordon und Hanna haben alles im Griff.

Catharina Frehoff mit ihren MedienScouts Hanna und Gordon
Catharina Frehoff mit ihren MedienScouts Hanna und Gordon | Foto: Robert Schlossnickel

Medien in der Schule nutzen

Die Schule als gesellschaftliche Institution habe die Chancen und Herausforderungen der Neuen Medien lange verschlafen, findet Catharina Frehoff. „Jetzt müssen wir Pädagogen hinterherlaufen und versuchen, unsere Schüler einzuholen.“ Deshalb nahm die 33-jährige Lehrerin am ersten „Zertifikatskurs Medienerzieherin“ des IQSH teil. „Die Dozenten waren echte Experten, Medienpädagogen, Kriminalkommissare, Verbraucherschützer oder Medienanwälte“, berichtet die Lehrerin. „Vom Umgang mit Abmahnanwälten über Urheberrecht und Medienpädagogik wurde uns hier ein Jahr lang Expertise in allen großen Themen vermittelt.“

Die Erkenntnisse aus der Fortbildung konnte sie direkt in ihrer Schule anwenden. Um hier immer auf dem neuesten Stand zu sein, nutzt sie regelmäßig ihr Netzwerk aus der Ausbildung. Mittlerweile lernt sie aber auch von den Schülern. „Ich würde sagen, zu 80 Prozent bilde ich sie aus, und zu 20 Prozent sie mich!“, berichtet die 33-Jährige.

Viele positive Erfahrungen

Catharina Frehoff will auch andere Lehrer dazu ermutigen, mehr Medien in den Unterricht einzubauen. Denn in ihrem Schulprojekt hat sie viele positive Erfahrungen gemacht. So würden sich die Schüler öffnen und erzählen, was sie wirklich im Web erleben, weil es in der MedienScout AG keine Bewertungssituation gebe, sagt die Pädagogin. „Wir lernen voneinander, wie wir die Medien bestmöglich nutzen können. Ich gebe ihnen Rat zu rechtlichen Fragen, zur Sicherheit und vermittle Kontakte, wie man vorgeht, wenn mal etwas nicht gut läuft.“ Und, was halten ihre Schüler von Frau Frehoffs Leistungen in der Medienkompetenz? „Sehr gut! 13 Punkte!“, bewerten Hanna und Gordon. Und Catharina Frehoff strahlt.


Catharina Frehoff steht vor der roten Wand der Theodor-Storm-Schule
Catharina Frehoff | Foto: R. Schlossnickel

Catharina Frehoff (33) Jahre, ist Gymnasiallehrerin für Latein und Deutsch an der Theodor-Storm-Schule in Husum. Sie absolvierte den „Zertifizikatskurs Medienerziehung“ am IQSH in Kiel.

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