Kommentar

Kontrolle ist gut. Verantwortung ist besser.

Ein Kommentar von Dr. Thomas Voß


Ich falle mal gleich mit der Tür ins Haus: Wieso eigentlich dürfen Unternehmen den Kindermedienschutz fast völlig auf die Eltern abschieben?

Diese großen Player – wie Facebook, YouTube, WhatsApp, Instagram und Google – lassen oft Inhalte zu, die Kinder und Jugendliche schädigen können. Mit der Begründung, sie als Plattformbetreiber böten nur den Rahmen für Inhalte, seien aber nicht für die Inhalte zuständig. Deshalb verpuffen im Internet
Regelungen des Kinder- und Jugendmedienschutzes, wie sie bei den „alten Medien“ wie dem Fernsehen längst selbstverständlich waren.

Die Begründung, die großen Firmen könnten ihre Inhalte nicht steuern, ist sehr fadenscheinig. Es schimmert ein zweifelhaftes Verständnis von Verantwortung durch. Eltern, die schließlich das Beste für ihre Kinder wollen, werden auf diese Weise völlig allein gelassen. Gerne wollen sie auch weiterhin so viel wie möglich tun, um ihren Kindern den sicheren und guten Umgang mit den digitalen Medien beizubringen. Dann sollten aber auch alle Internetfirmen ihre Verantwortung für den Kinder- und Jugendschutz wahrnehmen!

Technischer Kinderschutz muss an allererster Stelle wirklich leicht bedienbar sein. Eltern brauchen eine Integration der vielen Schutzoptionen der Social-Web-Dienste, der relevanten Geräte, Filter und Apps in ein Gesamtsystem, das sie an zentraler Stelle aktivieren und ändern können.

Diese Forderung richtet sich nicht nur an die genannten großen Player im Internet, sondern auch an die Politik. Sie muss die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Kinder- und Jugendmedienschutz in Deutschland keine rechtliche Fiktion bleibt, sondern Realität wird.


Dieser Artikel stammt aus dem scout-Heft 2/2017: "Kinder im Netz schützen!"

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