Medien entdecken hinterm Deich
Angebote aktiver Medienarbeit gibt es vor allem in den Städten. Aber nicht nur! Ein Interview mit Diana Hauschildt (Viöl) und Melanie Andresen (Oldenswort), die das spannende Projekt „Medienentdecker" in Nordfriesland mit Unterstützung des Offenen Kanals Schleswig-Holstein auf den Weg gebracht haben.
scout: Erzählen Sie doch mal: Wer sind die Medienentdecker?
Diana Hauschildt: Da müssen wir ein bisschen ausholen! Der Hintergrund: Mediennutzung ist bei hier uns auf dem platten Land, also hinterm Deich, ein Riesenthema in den Familien. Und wir, in unserer Funktion als Koordinatorinnen der Familienzentren im ländlichen Raum, haben täglich damit zu tun. Wir wollten also selbst etwas entwickeln, das mit Medien zu tun hat, das unsere Zielgruppe von Familien mit Kindern bis 14 Jahren erreicht und abholt. Die Frage war: Wie können Medien eigentlich auch noch Spaß machen, neben all den Problemen, die sie machen? Und wie kann man beim Spaßhaben noch etwas lernen?
Melanie Andresen: Wir haben uns dann Unterstützung durch den Medienpädagogen Jörg Paysen geholt, mit dem zusammen wir das Projekt entwickelt haben. Dann hat sich schnell herauskristallisiert, dass wir Tonaufnahmen und Fotos kombinieren wollen. Weil wir gedacht haben, es müssen Medien sein, die die Kinder leicht bedienen können.
Diana Hauschildt: Aber bevor wir damit losgelegt haben, haben wir erst einmal einen Elternabend gemacht, um die Eltern an Bord zu holen. Dann gab es einen Tag mit einer „Medien-Rally" für die Familien, also Eltern-Kind-Teams. Um zu klären, bei welchem Kenntnisstand wir die Kinder abholen können. Da gab es eine Quizrunde mit Stationen, wo per QR-Code Fragen gestellt wurden. Dazu gab es auch Lerninhalte wie Videos. Da konnten wir dann sehen, wer wie mit den Endgeraten ist. Ziel war, dass die Familien über das Thema ins Gespräch kommen. Das hat gut geklappt.
Melanie Andresen: Der nächste Schritt war dann das Wochenende, an dem wir Senioren aus den Orten eingeladen haben, aus ihrem Leben zu erzählen. Das haben wir „Dorfgeschichten" genannt. Davor haben wir mit einer Journalistin die Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren fit auf die Interviews vorbereitet: Wie fragt man, wenn man etwas Bestimmtes wissen will, wie hakt man nach? Wie bereitet man sich vor, und vor allem: Wie bediene ich die Geräte, also die Tablets mit den Funk-Mikrofonen? Alt und Jung, das klingt nach viel Aktion und Freude!
Diana Hauschildt: Ja, auf jeden Fall. Besonders die Seniorinnen haben es richtig genossen! Die Kinder habe sich die Interviews dann angehört und in einer weiteren Runde noch Nachfragen gestellt, weil sie noch nicht ganz zufrieden waren.
Melanie Andresen: Dazu wurden auch mit den Tablets Fotos gemacht. In den Sommerferien haben wir das Projekt dann an fünf Tagen fortgesetzt: Die Kinder haben die Aufnahmen geschnitten, die Fotos gesichtet und eine kleine Ausstellung zusammengestellt. Die ist jetzt für den Herbst geplant. Dafür werden alle Beteiligten wieder eingeladen!
scout: Woran hat es denn gehakt, wenn überhaupt?
Diana Hauschildt: Die Herausforderung war tatsächlich, ausreichend Kinder zu rekrutieren, die dann auch verlässlich mitmachen. Wenn man die Eltern klagen hört über die Medien, denkt man ja, die müssten bei so einem Projekt Schlange stehen. Wir veranstalten in den Elternschulen auch Elternabenden zu diesen Themen - und auch dann ist die Teilnahme nicht selten sehr, sehr gering. Es ist ein akutes Problem!
Melanie Andresen: Bei den Medienentdeckern lief es darauf hinaus, dass sich in Oldenswort 13 Kinder angemeldet haben, weil sich dort einige Eltern richtig engagiert hatten - und in Viöl nur eins, was dann wegen des hohen Aufwands einfach nicht ging.
Diana Hauschildt: Vielleicht liegt es daran, dass die Kinder hier ohnehin sehr stark eingebunden sind mit Fußball, Feuerwehr und Musikstunden.
scout: Um es mal einzuordnen: In Hamburg mit 1,8 Millionen Einwohnern ist auch längst nicht jedes Angebot ausgebucht!
Diana Hauschildt: Das ist gut zu hören!
scout: Jetzt, nachdem zwei Drittel des Projekts durch sind, gibt es noch weitere Erkenntnisse?
Diana Hauschildt: Vielleicht sollten wir hier den Dank an den Offenen Kanal voranstellen: Hätten wir nicht die nötigen Fördermittel bekommen, wären die Medienentdecker nicht möglich gewesen. Weil wir für diese zusätzlichen Angebote absolut kein Geld zur Verfügung haben!
Melanie Andresen: Mir fällt noch eins ein: Wir hatten da die Zielgruppen-Altersgrenze so zwischen sechs und zehn gesetzt. Da hat man dann im Verlauf schon große Unterschiede gesehen. Sechs ist noch sehr klein, und bei manchen technischen Fragen sind sie in diesem Alter doch überfordert.
scout: Vielleicht wollen Sie anderen Bildungsträgern auf dem Land noch etwas mit auf den Weg geben?
Melanie Andresen: Einfach machen!
Diana Hauschildt: Könnte ich nicht besser ausdrücken!