Medienkompetenzförderung

„Wir wollen Kinder und Jugendliche fit machen für eine neue Medienwelt.“

In Lübeck ziehen seit Jahren Jugendamt, Schulamt und viele weitere Institutionen an einem Strang, wenn es um Medienkompetenzförderung geht.


Foto von Birgit Reichel und Helge Daugs im Gespräch
Fotos: Maria Schiffer; Illustrationen: Andreas Glandien

Die Hansestadt Lübeck mit ihrem Projektbüro für Medienkompetenz, das Schulamt in der Hansestadt Lübeck und die Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein als Förderer und Berater haben 2012 ein gemeinsames Konzept zur Medienkompetenzförderung für Lübecker Kinder und Jugendliche entwickelt. Ziel der damit verknüpften Kooperationsvereinbarung ist eine verbindliche, stufenweise aufgebaute und gut evaluierte Medienerziehung in Kita, Schule und Jugendarbeit. Es funktioniert schon ganz gut – und wird weiter vorangetrieben. scout hat mit zwei Protagonisten aus dem Team gesprochen – mit Birgit Reichel, Bereichsleiterin Kinder- und Jugendschutz, Jugendamt Lübeck, und mit dem Schulrat Helge Daugs.

Wie in Lübeck nehmen auch andere Kommunen in Schleswig-Holstein die Medienkompetenzbildung in die eigene Hand und bündeln dafür die Kräfte, zum Beispiel in Pinneberg und Elmshorn. Auch Schleswig und Flensburg haben sich geeinigt, an einem Strang zu ziehen. Für Interessenten an einer ähnlichen Vorgehensweise haben die Lübecker „Medienkompetenzler“ eine umfangreiche Handreichung zusammengestellt, in der die dortige Vorgehensweise detailliert und beispielhaft beschrieben wird: Zur Handreichung als PDF.

Das Interview mit Birgit Reichel und Helge Daugs aus der scout-Ausgabe 2/2014 zum Nachlesen:

Foto von einem Mann und einer Frau montiert in ein Tablet
Fotos: Maria Schiffer; Illustrationen: Andreas Glandien

Was ist das Ziel des Bündnisses?

Reichel: Wir wollen auf lange Sicht alle Kinder und Jugendlichen in der Stadt erreichen, sie fit machen für eine neue Medienwelt.

Daugs: Medienkompetenz ist aus Schulamtssicht nicht das einzige drängende Thema, aber ein sehr wichtiges. Wir wollen die Medienbildung so aufstellen, dass Kinder und Jugendliche diese vierte Kulturtechnik richtig erlernen.

Wie ging es überhaupt los?

Daugs: Es gab über die ganze Stadt verteilt Behörden, Organisationen und Vereine, die irgendwie mit der Sache zu tun hatten, die sich aber kaum bis gar nicht kannten.

Reichel: Es galt also zunächst einmal, alle irgendwie Beteiligten an einen Tisch zu bekommen, einen Überblick zu erlangen, was bislang alles passiert, um überhaupt den Bedarf für eine zukünftige Arbeit abklären zu können.

Wie ist die Arbeit heute organisiert?

Reichel: Es war unser Ziel, für jede Altersgruppe ein adäquates Angebot zu entwickeln. In Kitas organisieren wir Elternabende, für Grundschüler wird das Internet-ABC umgesetzt. In den Klassen 5 bis 7 wird das richtige Verhalten im Internet thematisiert. Und wir arbeiten mit allen Schülern immer auch kreativ, weil es ja nicht nur Risiken, sondern auch Chancen gibt.

Daugs: Das Internet-ABC macht uns im Moment besonders viel Freude, weil drei Viertel der Grundschulen in Lübeck damit arbeiten. Reichel: Und wir wollen natürlich die Arbeit von „Medileica“ nicht unter den Tisch fallen lassen: Die Medienkompetenz-Fortbildung für Jugendleiter ist wichtig, um auch in der Breite in den vielen Jugendverbänden und Sportvereinen einen Fuß in der Tür zu haben.

Was läuft denn so richtig gut?

Reichel: Für mich ist es besonders die Metaebene: die Kooperation mit Schulamt und der Lehrerfortbildung des IQSH (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein). Es ist sehr fruchtbar, mit unterschiedlichen Perspektiven am selben Problem zu arbeiten – und dass dabei keiner den Hut auf hat und sagt: Das wird jetzt gemacht!

Daugs: Ich bin sehr froh, dass wir zusammen das Thema in der Stadt wirklich vorangebracht haben. Wir haben über alle Schularten hinweg Schüler erreicht und auch das Interesse der Eltern wecken können.

Was haben Sie in den drei Jahren gelernt?

Reichel: Solch ein Konzept aufzubauen braucht Zeit. Man muss sich annähern, gemeinsame Positionen entwickeln. Und erst dann tritt man ja an Eltern und Lehrer heran.

Daugs: Einen langen Atem braucht man auch an den Schulen. Die Projekte müssen langfristig begleitet werden. Es geht nicht nur darum, dass jemand etwas tut, sondern wie es getan wird. Deshalb wollen wir in Zukunft auch Grundschulen für das Internet-ABC zertifizieren.


Das Interview ist in der scout-Ausgabe 2_2014 erschienen.

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