Einfach machen! Fotowalk
Das Schweinchen im Abflussrohr
Nach dem Fotowalk ist vor der Vernissage:
Wie junge Fotograf*innen voller Stolz ihre Bilder präsentieren.
Weiße Wände, bunte Fotos, von Eifer gerötete Gesichter: In zwei Stunden schon werden Eltern, Großeltern, Freunde und Verwandte in weißen Atelierräumen der „Akademie für Fotografie“ in Hamburg-Wandsbek auftauchen und die Vernissage besuchen. Es gibt also noch viel zu tun für Anton, Pauline und Co.: Alle jungen Teilnehmer*innen, insgesamt sind es 16, dürfen fünf Ausdrucke ihrer mehrtägigen fotografischen Streifzüge im Rahmen eines Fotowalks durch Ottensen auswählen und mit übergezogenen weißen Handschuhen zur schonenden Behandlung an die Wände kleben.
Es ist ein Gewusel, Spannung und Freude liegen in der Luft: Nach sechs Nachmittagen intensiven Schauens, Fokussierens, Auslösens, Auswählens und Nachbearbeitens ist heute die feierliche Vernissage. Mikiko Fenner hat den Fotowalk zusammen mit dem Fotografen Tom Schönfeld organisiert und begleitet. Sie lässt ihren Blick schwenken, mit Anerkennung und auch ein bisschen stolz auf die Fotos, die nun dort hängen: „Da ist eine tolle Bandbreite entstanden!“
Kreative Medienerziehung – auch aktive Medienarbeit genannt – rückt das Produzieren in den Fokus: Wer selbst Medien produziert, versteht ihre Wirkungsweisen besser, ist ein Gedanke dahinter. Der andere: dass es auch wichtig ist, Spaß im Umgang mit Medien zu finden. scout hat darüber ein ganzes Themenheft produziert.
Beim Fotowalk inszenierte eine Gruppe mit jüngeren Kindern Spielfiguren wie Drachen in der städtischen Wildnis. Die Älteren durften frei nach Motiven suchen, die sie inspirieren. Alle bekamen eine moderne Digitalkamera mit Zoom umgehängt und technische Tipps mit auf den Weg. Ab dann hieß es: Füllt die Speicherkarten, wie es euch gefällt!
Das ließ sich Anton (14) aus Bergedorf-Curslack nicht zweimal sagen! Er fotografiert einfach zu gern: „Wir sind in einer kleinen Gruppe durch Ottensen gezogen, um gute Motive zu entdecken“, erzählt er am Tag der Vernissage: „Meine Mutter hatte den Kurs entdeckt und mir vorgeschlagen, weil sie weiß, dass ich Fotografie mag. Mein Vater ist Fotograf, und deshalb bin ich quasi auf Fototerminen aufgewachsen. Der Kurs war richtig gut, toll fand ich zum Beispiel die bunte Street Art, die es da an allen Ecken gibt.“
Ein kleine Einschränkung gab es: „Ich musste auf Krücken laufen, weil ich mir vorher den Fuß verstaucht hatte. Aber es ging. Eigentlich konnte man überall etwas entdecken, das gut für ein Foto war.“ Und oft sind es die kleinen Dinge, bemerkte er: „An einer Straßenecke gab es einen Trinkbrunnen, da habe ich den Wasserstrahl so fotografiert, dass er wie eine kleine Figur aussieht. Das ist ein gutes Bild geworden! Beim Fotowalk habe ich einiges gelernt, zum Beispiel, wie man so scharfstellt, dass der Hintergrund verschwommen ist. Dann kann man die Motive viel klarer sehen. Ich habe jetzt auch ein bisschen Nachbearbeitung gemacht: Es ist cool, wie man Fotos damit noch verändern kann!“
Heute hängt das Bild vom Trinkbrunnen an der Wand, neben vielen anderen. Die Kinder und Jugendlichen haben eine bemerkenswerte Vielfalt zusammengetragen. Das findet auch Mikiko Fenner. Obwohl es ihr manchmal schwer fiel, die Entscheidungen der Kinder mitzutragen: „Es ist aber wichtig, dass sie ihre Kreativität selbst steuern, egal, was wir Erwachsenen meinen. Ich hätte nicht das unscharfe Foto mit dem Schweinchen im Abflussrohr genommen. Und ich würde gerne Bilder ausrichten, wenn sie ein wenig schief hängen.“ Darüber muss sie selbst lachen.
Derweil strömen die Besucher*innen herein. Opas werden am Ärmel zu den Bildwänden gezerrt, Mamas machen Fotos von den Fotos. Onkel zücken ihren eigenen Kameras und dokumentieren den Abend. Die Jungen Künstler*innen präsentieren voller Stolz ihre Werke.
Kurzum: Die Vernissage macht allen Freude, den Produzenten wie den Konsumenten!