„Mein Sohn hat bis Mitternacht gespielt,
wurde aggressiv, wenn er aufhören sollte“

Maria M.* (34) aus Harburg erzählt von einem aufreibenden Jahr „Homeschooling“. Und wie ihr (und ihrem Sohn) Erziehungsberatung geholfen hat.

* Name geändert, aber der Redaktion bekannt

„Ich habe eine vierjährige Tochter und einen 14-jährigen Sohn. Er geht auf die Stadtteilschule in Harburg. Vor Corona kam er ganz gut klar. Während des vergangenen Jahres ist er aber sehr stark zurückgefallen. Er wird nun die 8. Klasse wiederholen. Der Ärger begann damit, dass ich für den Online-Unterricht WLAN einrichten musste, das hatte ich vorher nicht. Mein Sohn hat viele Stunden vor dem Computer verbracht, aber konnte so nicht richtig lernen. Er war frustriert.

Er hat das neue WLAN vor allem genutzt, um mit Freunden zusammen Computerspiele online zu spielen. Wenn er einmal damit angefangen hat, konnte er einfach nicht mehr aufhören. Das ging dann manchmal bis Mitternacht. Er wollte dann auch nicht zum Essen kommen. Wenn ich ihm gesagt habe, er solle damit aufhören, ist er aggressiv geworden. Und er wurde auch laut, wenn er verloren hatte. Wir haben uns also sehr viel gestritten, ich bin gar nicht mehr richtig zu ihm durchgedrungen. Das war nicht schön. Mit seinem Handy konnte er vorher gar nicht so viel anfangen, er hatte einfach zu wenig Guthaben. Er hat ein bisschen gespielt, sich Filmchen auf TikTok angeschaut, das war es meist auch schon.

Im Unterricht war mein Sohn dann meist müde, bekam immer öfter Kopfschmerzen. Bei einem Elterngespräch haben die Lehrer*innen dann vorgeschlagen, die städtische Elternberatung zu nutzen. Ich bin erst einmal allein hingegangen. „Wie viel spielt ihr Sohn?“, haben die gefragt. Ich habe es erzählt. „Das ist zu viel!“, hat der Berater gesagt: „Ihr Sohn muss jetzt selbst entscheiden, ob er mitkommen will zur Beratung.“ Er wollte es dann auch. Weil er ja erkannt hatte, dass es so nicht weitergeht. Wir waren noch zweimal zusammen da. Die Tipps sind eigentlich ganz einfach: Nur 30 bis 60 Minuten Internet am Tag, er soll mir ein bisschen helfen und mit Freunden gemeinsam draußen was machen. Das hat nicht sofort geklappt, ich musste da richtig ausdauernd und stark sein. Ich habe ihm auch gesagt: „Ich stelle das Internet wieder ab, wenn du nicht aufhörst.“ Inzwischen klappt es aber gut. Er spielt eine halbe Stunde und hört dann auf. Wenn ich frage, warum er nicht weiterspielt, wie vorher, dann sagt er: „Mama, es macht gar keinen Spaß mehr!“ Er will jetzt die Schule gut schaffen, damit er eine Ausbildung machen kann. Er liebt Autos und würde gerne Autoverkäufer werden.“


Für alle Eltern, die Probleme bei der Medienerziehung des Nachwuchses haben, gibt es ein dichtes Netz von Beratungsstellen. Sie bieten kostenlos Unterstützung.