Fachtag „Medienpädagogik“

Frühe Kindheit und Medien

Bücher, Filme, Lernspiele, Apps – auch in der Kita können Medien sinnvoll und kreativ eingesetzt werden. Das zeigen erfahrene Referenten auf der Fachtagung „Frühe Kindheit und Medien: Medienpädagogik in der Kita“, die die MA HSH, die Fachschule für Sozialpädagogik und der Verein Blickwechsel am 6. Oktober 2016 in Hamburg auf die Beine stellen. Doch bei den Eltern trifft dieses Thema oftmals auf große Skepsis. Ein Vor- und Stimmungsbericht von scout-Autor Jan Freitag.


Ein kleiner Junge schaut auf ein Tablet, das er in seinen Händen hält
Kita-Eltern stehen digitalen Medien oft skeptisch gegenüber | Foto: Pixabay

Gute Eltern sind zum Glück achtsam. Sehen sie das Wohl ihrer Kinder bedroht, schrillen die Alarmglocken. Und das selten lauter als in der Kita, dem ersten Ort außerfamiliärer Erziehung. Franziska Günther weiß also um viele Sorgen ihrer Zuhörer, als die Dozentin an der Fachschule für Sozialpädagogik in der Kita Scheplerstraße nahe der Reeperbahn übers Thema frühkindliche Mediennutzung referiert. Zwei Dutzend Mütter und einige Väter sind gekommen, um ihren Vortrag zu Sinn und Unsinn elektronischer Geräte in der Kita zu hören. Eigentlich ruhige Routine. „Dann aber“, erinnert sich die Diplom-Pädagogin mit Schwerpunkt Medienerziehung an den Abend, „ging es doch hoch her“.

Kernfragen pädagogischer Frühbildung

Denn es wurde zwar freundlich, aber heiß diskutiert, woran sich die Geister scheiden: Wie viel weite, digitale Welt verträgt die Kita? Sollte nicht wenigstens dieser Mikrokosmos als medialer Schutzraum für die Kleinsten dienen, oder doch bereits ein Proberaum sein für die Anforderungen der Jugendlichen von morgen? Es sind Kernfragen pädagogischer Frühbildung, für die Franziska Günther fachliche Tipps parat hat: Zum Beispiel Vorbehalte und Ängste gegenüber der Mediennutzung abbauen, aber auch klare Regeln für den Umgang mit Medien aufzeigen. Wie alle Beteiligten hat sie aber auch eine sehr persönliche Sicht der Dinge.

„Ich selbst befürworte die Nutzung digitaler Medien in der Kita“, sagt Günther, deren viereinhalbjähriger Sohn ebenfalls in der Scheplerstraße ist. Schließlich hätten schon viele Dreijährige eigenständigen Zugang zu Fernseher, MP3-Player, Tablet und Smartphone. „Kinder leben ja nicht im luftleeren Raum“. Entscheidend ist allerdings Günthers Einschränkung: „Sie dürfen an den Medien nicht bloß geparkt, sondern müssen begleitet werden.“

„Ich bin für die mediale Schutzzone“

Was aber sagen andere Eltern in den gut 1000 Hamburger Kindertagesstätten – Abschottung oder Zugang? „Ich bin für die mediale Schutzzone“, meint Marc Richter, dessen Tochter Jonna (5) im angrenzenden Stadtteil Ottensen betreut wird. Weil zuhause schon genug Geräte laufen, sollten die Kleinen daher „zumindest in der Kita ein bisschen Kind im ursprünglichen Sinne sein dürfen“.

Daniela Kellner hingegen, die im Altonaer TakaTukaLand gleich zwei Kinder (21 Monate und vier Jahre) betreuen lässt, findet es zwar wichtiger, „dass sie sich im Matsch wälzen“ als Lernprogramme ausprobieren. „Aber in einem begrenzten Rahmen ist das absolut okay.“ Ähnlich sieht es Scott Wischhof, der als Diplom-Biologe Kindergartenkids naturkundlichen Unterricht erteilt und den vierjährigen Lennard jeden Morgen in eine Eimsbütteler Kita bringt. Moderne Medien seien „nicht erforderlich, um sie fürs spätere Leben fit zu machen“. Zur Einübung von Fertigkeiten, Fantasie und sozialer Kompetenz, „können digitale Medien aber zumindest im Elementarbereich gern zum Einsatz kommen“.

Wichtig ist das Gespräch

Wer sich unter Hamburgs Eltern umhört, kommt demnach zum Schluss: Bei unter Dreijährigen sollten elektronische Medien jeder Art in der Kita tabu sein. Danach jedoch trifft ein Mindestmaß an digitaler Vielfalt bei angemessener Betreuung überwiegend auf Zustimmung. „Offen ist nur wie“, sagt die referierende Mutter Franziska Günther. Dabei sei es wichtig, mit allen Beteiligten ständig ins Gespräch zu kommen. Also Eltern, Erzieherin und den Kindern selbst. Hier knüpft die Fachtagung „Medienpädagogik in der Kita“ am 6. Oktober an! Ganz praxisnah geht es um die vielen Möglichkeiten, digitale Medien in der Kita einzusetzen. Wie ist hier eigentlich der Stand der Dinge in Kitas inHamburg und Schleswig-Holstein? Eine neue Expertise gibt Auskunft und Vertreter*innen von Politik, Kitas, Aus- und Fortbildungseinrichtungen diskutieren darüber. Praktisch wird es dann in den medienpädagogischen Workshops am Nachmittag.


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