Einstieg

Eiskalt erwischt

Mit dem ersten Smartphone wird alles anders. Doch keiner ist so richtig darauf vorbereitet. Weder Eltern noch Kinder. Und auch nicht die Schule.

Wenn wir unsere scout-Hefte vorbereiten, führen wir zunächst einmal sehr viele Gespräche: mit Expert*innen, Freund*innen, Bekannten, untereinander. Um auszuloten, was das Thema „hergibt“, um einen ersten Eindruck zu gewinnen, um gute Ideen zu sammeln.

Ein Gespräch mit einer Mutter blieb uns im Gedächtnis: Sie erzählte, wie sich „alles änderte“, als die Eltern ihrem Sohn zum Ende der 4. Klasse ein Smartphone anschafften, „weil jeder eins hatte. Gut, es waren dann doch nur 50 Prozent, aber die Tendenz rasch steigend.“

Der Sohn sollte kein Außenseiter sein. Anderen Eltern ging es wohl auch so. Die Elternvertreter*innen organisierten einen ersten Medienabend, eine AG wurde gegründet.

So weit, so gut. Dann kam das Gymnasium. Am Einschulungstag hielt der Direktor eine Rede. „Kaufen Sie Ihren Kindern möglichst kein Smartphone!“, war eine der Botschaften. Der Satz fiel, Eltern sahen sich zweifelnd um und an. Der Appell war ganz offensichtlich flächendeckend zu spät gekommen.

Vielen Eltern erscheint der Übergang zur weiterführenden Schule als natürlicher Einstieg in die Mobiltelefon-Welt. Schön, wenn das Kind auf dem Weg zur Schule gut vernetzt ist. Da kann es anrufen, wenn es nachher zu Freund*innen will. Oder Sport ausfällt, und es früher zurückkommt. Doch die Vorteile werden nicht selten teuer erkauft. „Wir wurden da Schritt für Schritt reingezogen, ohne dass wir es wirklich so wollten“, erzählt die Mutter. Nach dem Motto: Eigentlich ist WhatsApp ab 16. Aber jetzt gibt es da diesen (inoffiziellen) Klassenchat, und alle sind drin. Die Folge: „Dann haben uns die Entwicklungen eiskalt erwischt.“

Es gab einen Mobbingfall. Volksverhetzende Sticker wurden gepostet. „Es hielt sich insgesamt im Rahmen, aber wir waren schon entsetzt.“ Diese „Fälle“ wurden intern aufgeklärt, die Lage hat sich beruhigt. „Ob das anderswo so glimpflich verläuft, weiß ich nicht“, sagt die Mutter. Sie findet aber, dass man Eltern und Schüler*innen genau bei diesem Übergang von der vierten zur fünften Klasse mehr Hilfestellung geben muss.

Sie sagt: „Eltern sollten sich bei der Suche nach einer weiterführenden Schule auch die Medienkonzepte genau anschauen. Es ist wichtig, dass Medien – und deren Risiken – dort von Anfang an ein Thema sind!“

Wir finden, das ist ein guter Vorschlag. Unser Heft handelt ja genau von diesen „Zwischenräumen“ in der Wahrnehmung tatsächlicher oder „gefühlter“ Risiken. Kinder und Jugendliche können sie falsch einschätzen, Eltern auch – und in manchen Fällen sogar beide. Deshalb muss auch so viel darüber gesprochen werden. Erst einmal in den Familien. Dann aber auch in der Gesellschaft. Wir fangen hier schon mal damit an.


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