Interviewserie

"Ich glaube an Haptik, drei Dimensionen und Papier."

Lesestifte, vernetzte Puppen, Spielekonsole und Lego-App: Digitale Spielzeuge haben sich längst im Kinderzimmer ausgebreitet. Wir haben bekannte Nordlichter gefragt, wie es bei ihnen zu Hause aussieht.


Dr. Eckart von Hirschhausens Spezialität: medizinische Inhalte auf humorvolle Art und Weise zu vermitteln. Seit über 20 Jahren ist er als Komiker, Autor und Moderator in den Medien und auf allen großen Bühnen Deutschlands unterwegs.

Neben den Holzbauklötzen sind schon längst auch digitale Spielzeuge (bis hin zu Roboter-Haustieren) ins Kinderzimmer eingezogen. Ist das eigentlich – aus Ihrer Sicht als Mediziner – „gesund“?

Neulich sah ich ein Kindergartenkind, das im Aquarium immer über die Scheibe wischte und offenbar erwartete, dass dann ein anderer Fisch zu sehen ist. Im Ernst – ich sehe keine Notwendigkeit für digitales Spielzeug vor dem 10. Lebensjahr. Gesund ist vor allem sich ausreichend zu bewegen und nicht schon im Kindesalter Fettpolster anzulegen, die man ein Leben lang schwer bis gar nicht loswird. Also: Fußball spielen statt Fifa auf der Playstation!

Was wünscht sich der Nachwuchs im weiteren persönlichen Umfeld nach Ihren Beobachtungen denn dringlich zu Weihnachten?

Klar kenne ich auch die Faszination von den scheinbar intelligenten Hunden, die auf Handbewegung einen Salto können. Mein Patensohn hat das mal geschenkt bekommen (nicht von mir) und war davon auch gebannt – für maximal eine Viertelstunde. Der Reiz lässt erstaunlich schnell nach, weil die Tiere, Puppen und Roboter eben nicht intelligent sind, und vor allem auch nicht empathisch.

Würden Sie so etwas denn selbst verschenken?

Die interaktiven Bücher, wo ein Stift durch Berührung erklärende Texte verkündet, mag ich, habe ich schon verschenkt und auch in Kombination mit Vorlesen verwendet.

Haben Sie selbst Spaß an digitalen Gadgets? Was spielen Sie davon gern?

Meine Generation ist ja die letzte, die nicht mit Handys groß wurde. Ich bin ein analoger Typ, meine Bücher sind sinnlich, und auch nur als E-Books erschienen, damit die Sehbehinderten die vergrößern können. Ich glaube an Haptik, drei Dimensionen und Papier. Gadgets? Inzwischen habe ich eine Waage, die mir morgens verrät, wie sich mein Gewicht entwickelt. Ein Lob von meiner Frau für die Erfolge meines Intervallfastens – 10 unnötige Kilo habe ich weg, ohne sie zu vermissen – ist mir aber immer noch lieber.

Was würden Sie sich wohl sehnlichst wünschen, wenn Sie heute ein Kind wären?

Dass die Erwachsenen ihre Liebe mit Zeit ausdrücken und nicht mit Zeug. Ich habe in diesem Wahljahr ein Manifest mit unterschrieben zum „Generationenvertrag“. Nachhaltigkeit klingt schnell nach Spielverderber. Aber unsere gnadenlose Konsumhaltung zerstört die Lebensgrundlage für unsere Kinder und Enkel. Dann spielt keiner mehr. Und jeder kann die Entwicklung beeinflussen: wenn wir weniger Fleisch essen, weniger alleine in SUVs herumfahren und nur kaufen, was wir wirklich brauchen und was langfristig hält und Freude macht. Elektronikschrott gehört nicht dazu. Die Kinder werden fragen, was wir über die Erderwärmung wussten und was wir dagegen getan haben. Und dann hat man besser eine gute Antwort.

Am 23. 12. 2017 um 20.15 moderiert Eckart von Hirschhausen die Weihnachtsfolge von „Frag doch mal die Maus“ auf ARD.

Mehr erfahren Sie unter: www.hirschhausen.com.

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