Medienerziehung

Kinder wollen beschützt werden

Illustration: Gina Müller

Ein Artikel von Andreas Beerlage


Denken Sie mal an die Sommerferien zurück: Urlaubszeit! Und alle Ladegeräte reisen mit … Beim Blick in den Koffer offenbart sich ein eng verstricktes Gewirr von Kabeln – für Handys und Kameras, für Tablets und den Laptop.

Diese Endgeräte haben in vielen Familien schon fast den Status von neuen Angehörigen: Kaum einer wird so viel gestreichelt, gedrückt, bekommt so viel Aufmerksamkeit. Doch ob man sich mit ihnen weitere nahe Freunde der Familie oder doch eher kleine Feinde ins Haus geholt hat, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Wir alle wissen ja, das Internet hat zwei Gesichter. Das direkte Nebeneinander von für Kinder guten und schlechten Seiten beunruhigt die meisten Eltern. Und das zu Recht. Klar, es gibt online pädagogisch wertvolle Angebote, viele informative und auch unterhaltende Videos auf YouTube. Aber: Nur einen Klick weiter lauern oft problematische, manchmal eklige oder sogar gefährliche Angebote.

Die gute Nachricht: Es gibt Filter, die bedenkliche Inhalte sperren.

Wie schön wäre es, gäbe es praktische Schutzvorrichtungen, um solche Angebote einfach auszusperren! Filter, die nicht altersgemäßen Inhalten wie Pornografie oder Gewalt einfach den Zugang verbieten. Einstellungen, welche die Zeitbudgets der Kinder regeln, damit sie nicht zu viel surfen und Eltern nicht jeden Tag aufs Neue über das Ausschalten diskutieren müssen. Die gute Nachricht: Es gibt solche Angebote, Einrichtungen, Filter und Sperren.

Die weniger gute Nachricht: Es gibt keine Lösung, die alles auf einmal kann und den Rundum-Schutz gewährt, den wir uns eigentlich alle wünschen.

Eigentlich. Und das ist genau der Punkt, an dem viele Eltern einknicken. Sie fühlen sich den Herausforderungen des „technischen Kinder- und Jugendmedienschutzes“ oft nicht gewachsen. Das können wir gut nachvollziehen. Der Begriff drückt ja schon alles aus: dröge wie AGBs, unübersichtlich wie Betriebsanleitungen. Doch die Ausgabe 2_2017 von scout zeigt, dass es auch anders geht. Dass der Aufwand für ein Mehr an Schutz zu bewältigen ist und sich lohnt. Dass ein bisschen zu tun auf jeden Fall viel besser ist als überhaupt nichts.

Es gibt wirklich viele technische Lösungen, die Eltern sehr gut bei der Medienerziehung unterstützen können. Im Heft finden Sie dazu eine Übersicht der gängigsten technischen Schutzmöglichkeiten für verschiedene Altersgruppen und Endgeräte. Das fängt beim heimischen WLAN-Router an, bei dem mit wenigen Klicks Jugendschutz-Einstellungen vorgenommen werden können. Auch für Handys und Tablets existieren eine Menge nützlicher Voreinstellungen. Wir sind sicher, da ist für jeden etwas Umsetzbares dabei!

Ein Thema für sich ist das Jugendschutz-Programm JusProg. Es ist die einzige zertifizierte Software dieser Art. Jüngere Kinder bekommen darin einen voreingestellten sicheren Surfraum mit vorab getesteten und als sicher beurteilten Seiten. Lübeck hat gerade damit begonnen, dieses Surfschutzgebiet für die gesamte Hansestadt zum Standard zu erheben.

Technik kann übrigens auch erheblichen menschlichen Mehrwert bringen: Denn nicht selten finden Eltern und Sprösslinge über die Diskussion von Schutzvorkehrungen zum fruchtbaren Gespräch über ihr „digitales Verhalten“. Darüber und über vieles mehr berichtet der Hamburger Jugendschutz-Experte Stephan Dreyer im Interview.

Und eins noch: Wer denkt, dass Kinder von solchen technischen Einschränkungen genervt sind, der irrt. Im Gegenteil, sie empfinden den Schutz als positiv, als Schutz eben. Das bestätigen die Kinder auch selbst – in unseren vier Porträts von jungen Mediennutzern.

Also, liebe Eltern, los gehts.


Dieser Artikel stammt aus dem scout-Heft 2/2017: "Kinder im Netz schützen!"

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