scout-Ratgeber

Medienerziehung in Zeiten von Corona

Kitas und Schulen sind zu: Die meisten Eltern betreuen ihre Kinder zu Hause, gleichzeitig müssen viele von ihnen arbeiten. Familien stehen vor großen Herausforderungen – auch beim Umgang mit Medien. scout gibt Tipps für diese Zeit.


Während die meisten Eltern derzeit gar nicht wissen, was sie zu Hause als erstes erledigen sollen: Die To do´s des Homeoffice abarbeiten, Mittagessen kochen, mit der Jüngsten Vorschularbeit machen oder dem Ältesten bei den Hausaufgaben helfen, die der Lehrer gerade über das Online-Tool gestellt hat – haben Kinder vor allem eins: Zeit.

Zeit, um viele Fragen zu stellen: „Darf ich Fernsehen?“ „Darf ich Tablet gucken?“ „Darf ich mal Fotos auf deinem Handy sehen?“ Aber auch: „Was ist das eigentlich, dieses Corona-Virus?“ Und: „Stimmt das, was da im WhatsApp-Kettenbrief steht?“

Der Umgang mit Medien ist gerade jetzt ein großes Thema in den Familien und Eltern stellen sich viele Fragen. scout gibt die Antworten.

1. Medienzeit: Wie lange ist okay?

Ein wichtiges Telefonat mit dem Kunden oder ein Text, der schnell fertig geschrieben werden muss - da brauchen Eltern im Homeoffice in diesen Tagen auch mal Ruhe. Besonders dann müssen sich Kinder selbst beschäftigen, möglichst ohne viel Lärm zu machen. Verständlich, dass Fernseher und Co. nun vielleicht schneller und öfter als „Babysitter“ herhalten müssen. Das ist auch völlig in Ordnung. Und auch klar, dass Medien jetzt häufiger in Gebrauch sind – bei allen Familienmitgliedern: Zum digitalen Arbeiten und Lernen für den Unterricht, Chatten mit Freunden, Skypen mit Oma und Opa oder einfach nur zum Zeitvertreib.

Dennoch sollten Eltern nicht alle bisher hart erkämpften Regeln zur Medienerziehung über Bord werfen. Es ist wichtig, den Kindern die derzeitige Ausnahmesituation bewusst zu machen. Die Einhaltung von festen Regeln gilt daher auch in Zeiten von Corona: Wann ist Medienzeit? Und wann ist auch mal Pause?

Neben der Dauer der Mediennutzung sollten Eltern auch die Inhalte der Medien nicht aus dem Blick verlieren - vor allem bei den jüngeren Kindern und vor allem, wenn die Kinder alleine vor dem Fernseher oder Tablet sitzen. Pädagogische Bewertungen zu Kindersendungen gibt es beispielsweise bei flimmo.tv. Es empfiehlt sich, Vorkehrungen zur „Kindersicherung“ an den Geräten vorzunehmen. Weitere Infos hierzu gibt es auf unserer Website im Themenspecial zum „Jugendmedienschutz“.

2. Über das Corona-Virus: Wo gibt es kindgerechte Informationen?

Für uns Erwachsene gibt es viele Quellen – online wie offline, um sich über das Corona-Virus zu informieren. Doch auch Kinder wollen wissen, was es mit der Krankheit auf sich hat. Die Erwachsenen-Medien sind dazu nicht immer geeignet.

Klick-Tipps.net und der Verbund deutscher Kinderseiten Seitenstark geben einen Überblick über kindgerechte Angebote - von Fernsehformaten über Radiosendungen bis hin zu Kinderwebsites. Kinder können sich hier eigenständig informieren. Aber auch Eltern erhalten Anregungen, wie sie das Virus und die aktuelle Situation im Land ihrem Kind - verständlich und ohne ihnen Angst zu machen - erklären können.

3. Fakten-Check: Was ist richtig, was ist falsch?

„Desinfektionsmittel trinken schützt vor Corona!“ Über das Virus kursieren im Netz viele Falschmeldungen. Für Kinder kaum vorstellbar: Nicht alles was sie im Internet lesen, hören oder sehen, entspricht der Wahrheit. Hierüber sollten Eltern ihre Sprösslinge frühzeitig informieren und sie für Fake News sensibilisieren. Dies gilt insbesondere für Informationen, die über Social-Media-Dienste geteilt werden, wie beispielsweise WhatsApp-Kettenbriefe.

Richtiges Recherchieren will gelernt sein: Es ist wichtig, dass Kinder zwischen seriösen und nicht-seriösen Medien und Informationsquellen sowie Fakten und Falschmeldungen unterscheiden können. Das Lernmodul „Suchen und Finden“ des Internet-ABC gibt vor allem Kindern im Grundschulalter Tipps für die Online-Recherche: Welche Suchmaschinen gibt es? Wie funktionieren sie? Wie erhält man die besten Treffer? Besonders bei den ersten Recherche-Erfahrungen sollten Kinder-Suchmaschinen wie blinde-kuh.de oder fragfinn.de genutzt werden. Andere Suchmaschinen überfordern die Kinder – sie liefern oft zu viele und unverständliche Informationen.

Herrscht Unsicherheit über den Wahrheitsgehalt einer Nachricht, helfen Portale wie das gemeinnützige Recherchenetzwerk Correctiv oder mimikama.at, Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch, weiter. Hier werden aktuelle Fake News aufgelistet. Diese Seiten richten sich allerdings an Erwachsene. Eltern sollten sich die Inhalte gemeinsam mit ihren Kindern ansehen und über den Wust von Falschmeldungen austauschen.

4. Unterricht zu Hause: Welche Medien helfen beim Lernen?

Bundesweit sind die Schulen geschlossen, das hat viele kalt erwischt. Dennoch muss der Unterricht für viele Schüler und Lehrer weitergehen. Doch wie? Auf einen Digitalunterricht von zu Hause aus waren die Wenigsten vorbereitet.

Klicksafe.de hat einige Apps und Web-Angebote zusammengetragen, die den „Heimunterricht“ am Computer oder Tablet ermöglichen – für Eltern und Lehrkräfte.

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender unterstützen bei der Wissensvermittlung und erweitern ihr Programm mit kindgerechten Sendungen. So strahlen WDR und SWR beispielsweise Sonderprogramme von „Planet Schule“ und „Planet Wissen“ aus. Das ZDF hat online ein „virtuelles Klassenzimmer“ zusammengestellt, mit vielen Inhalten und für jede Altersgruppe – von Vor- bis Oberstufenschülern. „Mikado-Das Kinderradio“ des NDR ist mit Extra-Sendungen unter dem Motto „Wissen und Spaß auch ohne Schule“ on air.

5. Nicht bloß Konsumieren: Wie sieht kreativer Medieneinsatz aus?

Medien können mehr als unterhalten oder beim Lernen helfen. Es gibt viele Möglichkeiten, Medien kreativ zu nutzen und selbst produktiv zu werden. Zum Beispiel bei einem kleinen Familien-Projekt: Einem kurzen Foto-Comic über das derzeitige Leben in den eigenen vier Wänden, einem Stop-Motion-Film oder einem kleinen Hörspiel? Der Vorteil eines solchen Projekts: Alle Familienmitglieder können eingebunden werden – vom Kita-Kind über die Oberstufenschülerin bis hin zu den Eltern. Letztlich geht nicht nur die Zeit zu Hause schneller rum, die Kids lernen auch, Medien kreativ einzusetzen. Und vielleicht entsteht zum Schluss auch ein schönes mediales Erinnerungsprodukt.

Die „Datenbank für Kindermedien“ gibt einen guten Überblick über verschiedene Apps und Websites – sortiert nach Zielgruppen und Themen wie beispielsweise „Kreatives Gestalten“ oder „Mitmachen“.

Fazit

Durch den Corona-Virus steht auch in den Familien vieles Kopf: Was vorher streng verboten war, wird nun lockerer gesehen – Stichwort: Fernsehen am Morgen. Was vorher unmöglich schien, ist jetzt machbar – Stichwort: Digitaler Unterricht. Eine Rückkehr zum normalen Alltag wird es geben, das sollten sich alle Familienmitglieder immer wieder bewusstmachen. Vielleicht bringt Corona aber auch manch positive Veränderung mit sich, die Familien neu in ihren Alltag integrieren. Versuchen wir also alle, das Beste draus zu machen – im Rahmen unserer ganz individuellen Möglichkeiten.

Das könnte Sie auch interessieren: