scout fragt nach:
Digitale Medien in der Kita in Corona-Zeiten

PAULUS NEWS – immer gut informiert

Was macht gerade das Kita-Personal? Wie sieht es in der Kita aus? Und wie ist der aktuelle Stand zur Kita-Schließung? Die Hamburger Kita Pauluskirche hält Kinder und Eltern auf dem Laufenden – mit den PAULUS NEWS. Kita-Leitung Diana Simon berichtet.

Diana Simon ist Diplom Sozialpädagogin und seit zehn Jahren Kitaleiterin beim Kirchenkreis Hamburg-Ost. Seit dem Sommer 2018 leitet sie die evangelische Kita Pauluskirche.

Die Kitas sind bereits seit einigen Wochen wegen des Corona-Virus geschlossen. Wie bleiben Sie mit den Kindern und Eltern Ihrer Kita in Kontakt?

Ich schreibe wöchentlich eine kleine Zeitung, die PAULUS NEWS, die ich den Eltern als Mail-Anhang schicke. Darin halte ich die Familien auf dem Laufenden: Ich berichte über die aktuellen Informationen von Behörde und Träger bezüglich der Notbetreuung in Kitas und natürlich darüber, was in der Pauluskita derzeit geschieht. Es ist ein bisschen wie in der Serie „Zuhause im Glück“ für die Kinder und ihre Eltern: Sie bekommen ab und zu Fotos von den Veränderungen in ihrer Kita, aber letztendlich sehen sie das Ergebnis erst, wenn wir wieder öffnen.

Wie gehen Sie dabei vor?

Die Zeitung schreibe ich im Alleingang. Manchmal ist es schwierig, sie pünktlich fertig zu bekommen, wenn man sie zu Hause im Homeoffice schreibt und selbst zwei Kinder zu betreuen hat. Aber es macht mir Spaß. Ich versuche immer, etwas Humor reinzubringen. Sei es, dass ich die Arbeit im Homeoffice etwas überspitzt darstelle, oder mal einen der „Corona-Witze“ einbaue, die momentan über die Sozialen Medien verbreitet werden. Ich denke, es ist sehr wichtig, den Humor nicht zu verlieren. Man muss auch mal lachen dürfen, auch wenn die Situation schwierig ist.

Die Mail mit den PAULUS NEWS verschicke ich auch immer Briefe der Erzieher*innen an die Kinder. Unsere Musikpädagogin, Ulrike Lachmann, stellt jede Woche Material für die Eltern und Kinder zur Verfügung, damit auch die musikalische Förderung nicht ganz ausbleibt. Unsere Pastorin, Frau Dr. Ingeborg Löwisch, schickt uns regelmäßig Gebete und Predigten per E-Mail, die wir an die Eltern weiterleiten können. Momentan können ja keine Gottesdienste in Kirchen stattfinden.

Wie sind Sie darauf gekommen?

Eine Zeitung zu schreiben war eher eine spontane Idee. Ich bekam eine Vielzahl an E-Mails mit wichtigen Informationen für die Eltern und habe nach einer interessanten Möglichkeit gesucht, diese an sie weiterzuleiten. Ich dachte, wenn ich jede einzelne E-Mail mit dem Hinweis „Bitte zur Kenntnis nehmen“ oder „Hier noch eine Bastelidee für zu Hause“ weiterleite, haben sie irgendwann keine Lust mehr, die Nachrichten zu lesen. Und da fiel mir eine passende Word-Vorlage in die Hände und ich schrieb drauf los.

Hatten Sie selbst oder die Erzieher*innen in Ihrer Kita vorher schon entsprechende Fortbildungen - oder haben Sie sich „aus der Corona-Not heraus“ das nötige Wissen selbst angeeignet?

Fortbildungen hat bisher niemand vom Team in diesem Bereich gehabt. Ich denke, Not macht erfinderisch und man tut, was unter den aktuellen Gegebenheiten möglich ist. Aber man muss eine ganze Menge bedenken, wie zum Beispiel Datenschutzbestimmungen oder Urheberrechte. Das schränkt das Verbreiten von Liedern, Malvorlagen, Audiodateien oder auch kleinen Cliparts aus dem Internet sehr ein. Ich stelle daher für die Eltern auch nichts auf unsere Homepage. Mit ihnen nutze ich lediglich den Kontakt per E-Mail.

Das Diakonische Werk, der Dachverband der evangelischen Kitas, hat übrigens die verschiedenen Ideen der Kitas, um mit den Eltern und Kindern Kontakt zu halten, sowie nützliche Links gesammelt und alles auf der Homepage des Diakonisches Werkes für die Kitaleitungen und Mitarbeiter*innen zur Verfügung gestellt.

Wie waren die Reaktionen im Team?

Die Kommunikation über digitale Medien mit den Eltern und Kindern ist Neuland für die Mitarbeiter*innen. Ich denke, es fehlt noch ein wenig an Übung. Und es erfordert ein bisschen Mut und auch Rechtssicherheit im Umgang. Normalerweise findet die Erziehungspartnerschaft mit den Eltern und die Beziehungsarbeit mit den Kindern natürlich im direkten Kontakt face-to-face statt. Das kann man nicht durch digitale Medien ersetzen. Aber wenn zum Beispiel mal ein Elterngespräch abgesagt werden muss, weil das Kind krank ist und nicht in die Kita gebracht werden kann, dann könnte ich mir vorstellen, dass man das Gespräch per Videokonferenz macht.

Aber ich denke, es wird noch ein wenig dauern, bis derartige Kommunikationswege in der Elternarbeit in Kitas gang und gäbe sind.

Gibt es Rückmeldungen aus den Familien? Wie kommen die PAULUS NEWS und Briefe der Erzieher*innen bei Eltern und Kindern an?

Die Reaktionen auf die Zeitung waren sehr positiv, das freut mich natürlich! Ich habe einige E-Mails von Eltern mit tollen Fotos von den Kindern erhalten. Sie zeigen, was die Kinder alles so in der Zeit zu Hause mit ihren Eltern unternehmen oder womit sie sich sonst die Zeit vertreiben.

Über die Briefe und Fotos der Erzieher*Innen haben sich die Kinder wohl am meisten gefreut. Nach so langer Zeit vermissen sie den Kita-Alltag, ihre Freunde und natürlich auch ihre Erzieher*innen sehr.

Hat die Corona-Krise den Umgang mit digitalen Medien in Ihrer Kita befördert?

Ja, auf jeden Fall! Die direkte persönliche Kommunikation ist von einem Tag auf den anderen kaum noch möglich gewesen. Wir mussten uns also zwangsläufig etwas einfallen lassen, um im Kontakt zu bleiben. Auch die Zusammenarbeit mit den Träger läuft zurzeit ausschließlich per E-Mail, Telefon oder Videokonferenzen. Die meisten arbeiten von zu Hause aus. Es klappt auch sehr gut mit den Videokonferenzen und alle empfinden diese Form der Kommunikation überraschend positiv, weil man sich so endlich mal wiedersehen kann. Das könnte auch zukünftig eine Alternative für Besprechungen in kleineren Runden sein. Ich finde es auch super, dass es jetzt auch mehr Online-Seminare und Fortbildungen für die Mitarbeiter*innen gibt.

Können Sie sich vorstellen, die PAULUS NEWS oder generell den Einsatz von Medien auch nach der Corona-Zeit fortzuführen?

Ich denke, dass ich die PAULUS NEWS in dieser Form in meinem regulären Arbeitsalltag in der Kita nicht weiterführen kann. Dafür fehlt mir schlicht die Zeit. Aber vielleicht schaffe ich es ja trotzdem, ab und an nochmal eine Ausgabe zu schreiben, wenn es etwas Interessantes zu berichten gibt. Eigentlich schade, dass mein Alltag keinen Platz für so etwas bietet.

Im Gespräch ist derzeit außerdem noch die Erstellung einer Dropbox für die Eltern, in der man Material für die Kinder, Videos oder auch die Briefe der Erzieher*innen hochladen kann. Die Eltern bekommen dann den Link zugeschickt und haben jederzeit Zugriff auf die Dateien. Und vielleicht können wir noch weitere neue Projekte in der Kita entwickeln.

Gibt es dazu schon Ideen?

Die Idee, mehr von den Familien zu Hause zu erfahren und Fotos von den Kindern in ihrem familiären Umfeld zu sehen, fand ich persönlich sehr schön. Ich könnte mir viele Projekte in der Richtung vorstellen. Das hat auch viel mit der Identitätsentwicklung und –stärkung zu tun, wenn Kinder sich und ihre Herkunft anhand von selbstgemachten Fotos oder kleinen Filmchen stolz präsentieren und vorstellen dürfen.

Ich habe außerdem vor, alle Fotos, die ich von den Eltern bekommen habe, sowie die Bilder von den Arbeiten in der Kita zu einer großen Collage zusammenzustellen. Man könnte diese Erinnerungen an die Corona-Zeit dann natürlich auch mit in die Portfolios der Kinder einbeziehen. Wir arbeiten derzeit an einer Portfolio-Vorlage, die die Eltern gemeinsam mit den Kindern ausfüllen und dann später in den Ordner der Kinder heften können. Schließlich ist das ein echter Ausnahmezustand.


Info

In der Ev. Kita Pauluskirche in Hamburg/Hamm werden bis zu 70 Kinder in zwei Krippen- und zwei Elementargruppen betreut. Die Kinder sind im Alter von acht Monaten bis zu sechs Jahren. Das Team besteht insgesamt aus zehn Mitarbeitenden: einer Hauswirtschaftskraft, Sozialpädagogischen Assistenten*innen, Erzieher*innen, einer Pädagogischen Hilfskraft in Erzieherausbildung und einem Heilerziehungspfleger. Träger ist der Kirchengemeindeverband Ev.-Luth. Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Hamburg-Ost.

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