Hört uns mal zu!

Unsere Regeln klappen nicht mehr

Neyla (14) ist die Einzige in der Familie mit einem Smartphone.


Foto: Achim Multhaupt

Manchmal denke ich, dass es gar nicht schlecht wäre, wenn das Smartphone gar nicht erfunden worden wäre. Ich würd's nicht vermissen. Alle gucken nur drauf und reden nicht miteinander. Aber jetzt, wo es Smartphones gibt, ist es natürlich wichtig, auch eins zu haben. Das ist halt so. Ich habe mein Smartphone mit zwölf bekommen, obwohl meine Eltern das nicht wollten. Die Bedingung meiner Eltern war, dass ich mir alles durchlesen muss, bevor ich mir irgendwas runterlade oder benutze. Das ist ganz schön anstrengend! Es gibt aber viele Apps, die auf Kontakte oder Fotos im Smartphone zugreifen wollen. Da frage ich mich schon, was das soll, man wird ja komplett ausgenutzt dabei! Bei WhatsApp gibt es immer wieder Stress, auch mit Beleidigungen, wenn zum Beispiel ungefragt Bilder verschickt werden. Doch das klären wir dann unter uns: Es bringt nichts, wenn Erwachsene sich da einmischen.

Meine Eltern sagen, dass ich mir bei allen Fotos, die ich poste, überlegen soll, ob ich das Bild auch an unsere Tür hängen würde, sodass es jeder sehen kann. Das finde ich eine gute Regel. Meine Eltern haben sich beide ganz bewusst gegen ein Smartphone entschieden. Manchmal gibt es deshalb Situationen, wo sie mich überhaupt nicht verstehen: Warum ich jetzt gerade in dem Moment noch schnell was klären muss oder irgendwas mit dem Smartphone googeln möchte. Bei uns darf das Handy nicht auf dem Tisch liegen beim Essen.

Ich bin das wandelnde Internet meiner Eltern.

Neyla, 14 Jahre alt

Meine Eltern sind halt noch nicht so ruiniert vom Smartphone. Es gibt Regeln, wie viel ich mein Handy nutzen oder auch fernsehen oder am Laptop sitzen darf. Aber in der Realität klappt das oft nicht so gut, denn man nimmt sich ja selten mal eine ganze Stunde lang sein Handy, sondern macht hier mal kurz was, legt es weg und macht dann wieder mal kurz was. Früher musste ich das Handy um neun Uhr abends ins Wohnzimmer legen, aber jetzt liegt es abends auch in meinem Zimmer und ich gucke so bis zehn oder auch elf Uhr noch mal drauf.

Weil ich in meiner Familie die Einzige mit einem Smartphone bin, fühle ich mich manchmal wie ein wandelndes Internet! Denn ich soll dann doch immer mal wieder für meine Familie Sachen nachgucken, zum Beispiel das Wetter oder wenn bei einer Autofahrt irgendwelche Fragen auftauchen.

Also, meine Eltern sind schon streng, aber gut streng. Sie wollen mich ja nicht ärgern, sondern beschützen. Und Eltern sollten ihre Kinder auf jeden Fall gut begleiten, vor allem bei YouTube, wo man ja oft auf grausame Kriegsvideos stößt. Oder wenn es um In-App Käufe geht, da ist auch mal schnell das Geld weg, ohne dass man das richtig merkt. Ich finde, dass alle mehr miteinander reden sollten. Auf keinen Fall sollten Eltern aber das Handy ihrer Kinder kontrollieren, das geht gar nicht! Meine privaten Chats gehen ja nur mich was an, und in meinem Handy, da ist ja praktisch mein halbes Leben drin!

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