Kommentar

Medienerziehung ist einfach. Nur manchmal unbequem.

Doch alles laufen zu lassen, ist keine Lösung. Eltern müssen ihre Verantwortung zur Medienerziehung wahrnehmen und selbst ein Vorbild sein – so gut es im Alltag eben geht.

Sie tragen „Powerbanks“ in ihren Taschen, damit ihre Akkus niemals leer sind.
Sie erfinden neue Verben wie „minecraften“.
Sie sind umgeben von den „Ping“-Benachrichtigungsgeräuschen ihrer Whatsapp-Gruppen.

Alle nach 2000 Geborenen kennen gar keine andere als die digital vernetzte Welt mehr. Sie kennen auch keinen Unterschied mehr zwischen on- und offline.

Ganz anders ihre Eltern: Diese eint ein Gefühl, nämlich das Unbehagen, den Nachwuchs in diesem digitalen Dickicht versinken zu sehen. Aber wie oft führt dieses Unbehagen auch zu elterlichem Handeln? Viel zu häufig machen sie es sich mit einem „Wird schon nicht so schlimm sein“ sehr leicht. Doch Medienerziehung muss insbesondere in der Familie stattfinden und kann nicht so einfach auf die Schule oder andere Institutionen abgeschoben werden.

Man stelle sich diese defensive Erziehungshaltung einmal in anderen Feldern der Erziehung vor. Bei Verkehrserziehung zum Beispiel. Wer sagt als Mama oder Papa schon: „Ich lasse die Mia mal über die Straße gehen, das mit dem rechts und links schauen bringe ich ihr dann später mal bei, wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe.“

Erziehung macht vor Medien nicht halt

Medienerziehung muss von Eltern deshalb endlich als eine genauso selbstverständliche und unerlässliche Erziehungsaufgabe gesehen werden. Erziehung heißt dann auch: Kinder in Situationen, die sie überfordern oder gefährden könnten, nicht sich selbst zu überlassen. Viren und Trojaner, Verstöße gegen das Urheberrecht oder die ungenierte Preisgabe persönlicher Daten sind da noch „kleine“ Gefahren, die das Surfen im Netz mit sich bringen. Magersuchtsforen oder Cybermobbing hingegen, haben da schon eine größere Tragweite.

Eltern müssen Kindern nicht nur solche Probleme erklären. Ebenso wichtig ist es ihnen zu vermitteln, dass auch im Netz Regeln gelten – „Respekt“ ist da das entscheidende Stichwort.

Schließlich gibt es dann noch die vielen Themen des (familiären) Miteinanders: Zum Beispiel die um sich greifende Unhöflichkeit, beim gemeinsamen Abendessen ständig am Handy herumzufummeln.

Kinder brauchen „Spaßbremsen“

Kinder dürfen heute sehr viel mehr als früher. Und die Eltern sind nicht selten stolz auf ihren partnerschaftlichen Umgang. Oft haben sie ein schlechtes Gefühl, wenn sie das tun, was Eltern tun, seit es Kinder gibt: nämlich Regeln aufstellen. Weil sie dann „Spaßbremsen“ sind. Aber auch „Digital Natives“ brauchen Orientierung und klare Ansagen. Eltern müssen die daraus resultierenden Konflikte wohl erst wieder aushalten lernen. Einer der wichtigsten Aspekte, die dann helfen, Erziehung gelingen zu lassen, ist dann insbesondere die Glaubwürdigkeit der Regel-Aufsteller: Wer Kindern zum Beispiel schon auf der Wickelkommode zur Ablenkung ein Smartphone in die Hand gibt, sollte sich nicht wundern, dass er ihnen ein paar Jahre später ein zeitliches Online-Budget auferlegen muss. Und sollte als gutes Vorbild hin und wieder vielleicht auch selbst das Handy einmal zur Seite legen.

Neben diesen wesentlichen Themen der Medienerziehung – dem Jugendschutz und dem Fragen nach dem „Wie“ und „Wieviel“ – gibt es dann noch ein weiteres, vielleicht sogar noch wichtigeres. Es geht darum, die Bequemlichkeit und Faszination der digitalen Medien auch einmal ganz grundsätzlich zu hinterfragen. Dies müssen in einem ersten Schritt die Eltern für sich tun. Und diese Haltung auch den eigenen Kindern nahezubringen.

Dieser Verantwortung müssen sich Eltern stellen. Und am besten gleich heute mit der Medienerziehung anfangen. Sie ist zwar manchmal unbequem. Aber eigentlich ganz einfach.

 

Foto: pixabay

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