Die wichtigsten Tipps von Medienexperten zum Sicheren Surfen auf YouTube.

Wie kann man YouTube für Kinder etwas sicherer machen?

Kinder und Jugendliche lieben YouTube. Aber es gibt auch Videos, die für Kinderaugen nicht geeignet sind. Was können Eltern tun, um ihre Kinder vor diesen Videos zu schützen?

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So stellen Sie YouTube ein, damit es für Kinder und Jugendliche etwas sicherer ist. Foto: Fotolia

In unserem ersten Artikel zu YouTube „Der Internetliebling der Jugendlichen“ haben wir gezeigt, was die Faszination von YouTube ausmacht. Jetzt geht es um die Frage, mit welchen Einstellungen die Nutzung sicherer gemacht werden kann.

1) Sicherheits-Modus bei YouTube aktivieren

„Direkt bei YouTube können Eltern den „Eingeschränkten Modus“ ganz unten auf der Seite einstellen und über ein Password sichern“, empfiehlt Kristin Langer, Mediencoach beim Online-Elternratgeber Schau-hin.

eingeschraenkterModus
Der Screenshot zeigt, wie man den den eingeschränkten Modus einstellt. Screenshot: youtube.com

2) Einstellungen im Sicherheitscenter nutzen

Im YouTube Sicherheitscenter finden Eltern Informationen und Anleitungen zum eingeschränkten Modus, zum Melden von unangemessenen Videos und zu Altersbeschränkungen auf YouTube. Mit Hilfe des eingeschränkten Modus können unangemessene Inhalte auf dem Computer und der mobilen Website ausgeblendet werden. Ausgeblendet werden Videos, die von Nutzern gemeldet wurden oder die anderweitig als unangemessen aufgefallen sind.

Den eingeschränkten Modus können Nutzer durch Mausklick auf den Button „An“ bzw. „Aus“ einfach ein- oder ausschalten. Allerdings muss der eingeschränkte Modus für jedes Gerät und jeden Browser einzeln aktiviert werden.

Wollen Eltern den eingeschränkten Modus verlässlich einrichten, können sie Ihre Einstellung mit einer Sperre versehen. So wird verhindert, dass andere Nutzer, beispielsweise Kinder, die Einstellung für den eingeschränkten Modus in diesem Browser ändern können. Dafür müssen sich Eltern mit ihrem Google-Konto anmelden. Die Sperre kann danach nur von diesem Konto aus aufgehoben werden. Man kann die Sperre also nicht so einfach aufheben. Man kann sie aber leicht umgehen. Dazu reicht es, die Chronik zu löschen oder YouTube in einem privaten Fenster zu öffnen. Auch für die Mobilversionen auf dem Smartphone oder dem Tablet sind die Einstellungen nicht hundertprozentig sicher, hier kann kein Passwortschutz eingerichtet werden und jeder Nutzer den eingeschränkten Modus wieder ausschalten. Insofern bestehen hier Risiken und sind Verbesserungen durch YouTube selbst notwendig.

YouTube bietet auch die Möglichkeit, Videos, die für Minderjährige ungeeignet sind, mit einer Altersbeschränkung zu versehen. Allerdings kann diese erweiterte Einstellung nur beim Hochladen vom Produzenten oder vom YouTube Service eingegeben werden. Die Videos können dann nur von eingeloggten, erwachsenen Nutzern aufgerufen werden. Oder von solchen, die sich lediglich als erwachsen ausgeben. Sie werden auch in bestimmten Bereichen, wie den empfohlenen Videos, nicht angezeigt.

3) Für Jugendliche nicht geeignete Videos blockieren und melden

Wer auf YouTube auf ein Video stößt, dass für Minderjährige beeinträchtigend sein könnte und keine Altersbeschränkung hat, sollte es mit dem Flaggensymbol blockieren und melden. Dieses verbirgt sich bei jedem Video hinter der Schaltfläche „Mehr“. Der YouTube Service prüft das Video dann.

YouTube hat natürlich auch Community-Regeln, die sicherstellen sollen, dass die Kommunikation auf der Plattform respektvoll erfolgt. Videos und Kommentare, die gegen diese Richtlinien verstoßen, kann man melden, dann werden sie von YouTube entfernt oder Videos erhalten eine Altersbeschränkung.

Neben YouTube sind also auch die User selbst aufgefordert, die Plattform kindersicher zu machen – eine große Herausforderung. Schließlich werden jede Minute etwa 400 Stunden Videomaterial hochgeladen. Genau das macht den Jugendschutz wahrscheinlich auch für den Betreiber zu einer Herausforderung. Gibt es da ein Programm, das uns diese Wächterfunktion abnehmen kann?

4) Jugendschutzprogramme bei YouTube

Medienpädagogen raten grundsätzlich, die Sicherheitseinstellungen am Gerät und im Browser zu aktivieren und Jugendschutzprogramme zu installieren. Bei Browsern empfiehlt sich für jüngere Kinder der KinderServer, bei mobilen Geräten empfehlen sich Jugendschutz-Apps.

Das Problem: Jugendschutzsoftware benötigt mit dem jeweiligen Video verknüpfte Alterskennzeichnungen (sogenannte Label), an denen Jugendschutzprogramme wie beispielsweise das von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) anerkannte JusProg ansetzen können. Gerade YouTube mit seinen extrem unterschiedlichen Videos bietet jedoch nicht für jedes Video ein eigenes Label an, sondern labelt die gesamte YouTube-Plattform mit der Alterskennzeichnung „ab 18“.
Dabei bietet YouTube auch unzählige für Kinder und Jugendliche geeignete Inhalte an und wird dementsprechend häufig genutzt. Ein Jugendschutzprogramm, das YouTube aufgrund der Altersvorgabe des Anbieters komplett blockiert, würde da schnell vom heimischen Rechner verbannt. Denn eine komplette YouTube-Sperrung steuert am alltäglichen Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen vorbei. Wahrscheinlich ignoriert deshalb sogar die bereits erwähnte JusProg-Software  dieses Label und lässt YouTube-Videos passieren. Solange YouTube hier nicht differenzierte Alters-Label anbietet, kann man Eltern nur raten, ihr Kind nicht alleine YouTube nutzen zu lassen, auch wenn die Katzenvideos noch so harmlos aussehen.

Kinder und Jugendliche lieben YouTube und nutzen es meist auf mobilen Endgeräten. (Foto: d8nn / Shutterstock.com).
Kinder und Jugendliche lieben YouTube und nutzen es meist auf mobilen Endgeräten. (Foto: d8nn / Shutterstock.com).

Auf technische Filter und Medienkompetenz setzen

Rein technisch gibt es also aktuell keine Patentlösung, um YouTube halbwegs kindersicher zu machen. Als Anbieter der Plattform ist YouTube auch selbst gefordert, unzulässige Videos zu löschen und Vorkehrungen zu treffen, um Kindern und Jugendlichen nicht zu schaden. Es gibt zwar auch Angebote, die extra für Kinder gestaltet wurden, wie juki.de und andere Videoplattformen. Aber die großen „Creators“, die Stars, gibt es derzeit vor allem bei YouTube.

Eine Chance liegt darin, sich für die Vorlieben der Kinder zu interessieren, mit ihnen im Gespräch zu bleiben und ihnen im Alltag als verständnisvolle Ansprechpartner bereitzustehen. Und wie bei jedem erzieherischen Thema ist auch bei YouTube manchmal Konsequenz gefragt:
Kristin Langer empfiehlt Eltern, sich für den seelischen Schutz ihrer Kinder stark zu machen und nicht jedem Video-Wunsch nachzugeben. „Bei Kindern im Alter von sieben bis neun Jahren sollte es klare Vereinbarungen mit den Kindern geben: Was genau wird geguckt?“ YouTube sollte in diesem Alter nur laufen, wenn die Eltern in der Nähe sind. Denn erst ab zehn Jahren lernen Kinder, sich innerlich gegen das Gesehene zu schützen. „Ältere Kinder müssen unbedingt lernen, Eigenverantwortung zu entwickeln, und selbst mit darauf achten, dass ihre Mediennutzungszeiten nicht ausufern sowie abschalten, wenn die Inhalte brutal oder verängstigend sind. Wenn Eltern und Kinder im Gespräch bleiben, und ihre Kinder über die Risiken aber auch Wege einer sicheren Nutzung des Internets und von YouTube aufklären, wissen die Kinder, an wen sie sich wenden können, falls etwas schief läuft“, so Mediencoach Langer. Also genau das, was die Hamburger Mutter Sanja Stankovic und ihre Tochter Mia schon praktizieren.

„Die Tipps zum eingeschränkten Modus finde ich gut“, sagt Sanja Stankovic. „Das schau ich mir mal an – dann kann Mia zukünftig vielleicht mit einem eigenen, sicheren Account noch eigenständiger auf YouTube unterwegs sein.“

Weiterlesen bei scout-magazin.de

Teil 1 unserer YouTube-Artikel: YouTube: Der Internetliebling der Jugendlichen. Was Jugendliche an Online-Videos fasziniert und wie Eltern am besten damit umgehen?

Übrigens, bei Schauhin und handysektor gibt es noch mehr Informationen für Eltern, auch zum Traumberuf YouTuber.
Damit können Eltern die Faszination und Vielfältigkeit von YouTube für Heranwachsende als Soziales Netzwerk, Selbstdarstellungsplattform mit Kommentarkultur sowie die geschäftlichen Mechanismen dieses Medienbereichs nachvollziehen und verstehen.

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