YouTube und Influencer

"Daumen hoch!" und "Folge mir!"

Illustration: Kati Szilágyi

YouTuber sind die neuen Idole von Kindern und Jugendlichen. Sie werden bewundert wie Musiker oder Schauspielere. Doch was macht ihre Faszination aus? Und was macht sie zu Influencern und damit zu begehrten Werbeträgern?

Authentisch, nahbar, täglich da

Dagi Bee, Dner, Bibi, Julien Bam: So heißen Deutschlands YouTuber. Sie sind bei den Kids äußerst beliebt, Millionen Abonnenten folgen ihnen. In Videos geben sie Einblick in ihr Leben. Zeigen, was ihnen – scheinbar – wichtig ist: Haare färben, schminken, Streiche spielen (Prank-Videos) und zocken (Let’s play-Videos). Sie sind jung, wirken wie Freunde von nebenan. Sie reden munter drauf los, treffen den Ton ihrer Fans, sind mit ihnen auf Augenhöhe. Die Beziehung ist eng: Sie gehen auf Kommentare der Nutzer ein, grüßen sie in ihren Videos. Das macht sie für ihre Follower so besonders – auch so besonders nachahmenswert.

Wie finanzieren sich YouTuber?

Hat ein Influencer eine große Reichweite und viele Abonnenten, ist er für die Werbeindustrie äußerst interessant: Die Fans vertrauen „ihrem“ YouTuber, legen Wert auf dessen Meinung und Urteil. Viele Kinder glauben, dass die Videos aus Spaß an der Freude gemacht werden. Sie übersehen, dass YouTuber durchaus auch anstreben, mit ihren Clips Geld zu verdienen:

  • Ganz klassisch kann der Influencer mit YouTube eine Werbepartnerschaft eingehen. Dann verdient auch er an den Einnahmen aus vorgeschalteten Werbeclips. 1.000 Klicks bringen circa 1 Euro, heißt es.

  • Gängig sind auch Provisionen über Affiliate Links: Der YouTuber kann in den Videobeschreibungen Links zu Onlineshops setzen. Klickt der User darauf und bestellt etwas, verdient der YouTuber mit.
  • Weniger gut durchschaubar sind Videos, in denen Produkte eine besondere Rolle spielen. Beauty-Influencer präsentieren in Haul-Videos ihre Shopping-Ausbeute, Tech(nik)-YouTuber stellen Technik-Neuheiten vor und bewerten sie in Form von Reviews. Eine beliebte Form der Produktpräsentation ist auch das Unboxing: Der YouTuber filmt sich dabei, wie er ein neues Produkt auspackt, und kommentiert das Erlebnis. Doch wie kommt der YouTuber an diese Produkte: Selbst gekauft oder von den Firmen geschenkt? Wenn geschenkt, dürfen die YouTuber dann noch frei ihre Meinung sagen? Oder ist mit dem „Geschenk“ vielleicht sogar noch ein bisschen Geld geflossen, verbunden mit der Bitte um positive Darstellung und Unterstützung in der Produktvermarktung? Spätestens dann ist dies Werbung, die gekennzeichnet werden muss.

Wahrheit und Klarheit sind gefordert

Werbung auf YouTube, aber auch Snapchat und Instagram, muss deshalb klar erkennbar und von den übrigen Inhalten getrennt sein, so steht es im Gesetz. Kennzeichnungen wie „Unterstützt durch Produkt XY“, „Werbevideo“ oder „Das Video enthält Produktplatzierungen“ helfen, Werbung von redaktionellen Inhalten zu unterscheiden. Diese Kennzeichnungen sind vor allem für Kinder eine wichtige Hilfestellung. Erfolgreiche YouTuber haben sich das Vertrauen ihrer jungen Fans erarbeitet – und tragen deshalb auch eine besondere Verantwortung!

Die Fans bei Stange halten

Mit YouTube Geld zu verdienen und dafür vor allem um die Gunst (beziehungsweise Likes) der Fans zu buhlen, ist nicht verwerflich. Die Penetranz, mit der das oft erfolgt, aber schon: „Hab euch lieb, wenn ihr mich auch liebt, gebt mir einen Daumen hoch!“ Permanent versuchen die YouTuber, vor allem die jüngeren Mitglieder ihrer Community bei Stange zu halten. Und on top gibts noch ein „voll krasses Gewinnspiel mit mega coolen Preisen“. Mitmachen kann nur, wer liked, einen Kommentar schreibt und den Kanal abonniert. Und damit die (Werbe-)Botschaften auch überall zu hören sind, betreiben die Influencer meist gleich mehrere Social-Media-Kanäle, zum Beispiel bei Facebook, Instagram, Twitter oder Snapchat.

scout meint:

Die richtige Kennzeichnung von Werbung und Produktplatzierungen bei YouTube ist eine Sache. Dafür gibt es klare Regeln und Gesetze sowie Institutionen, die sich dafür einsetzen und Fehlverhalten beanstanden. Die andere Sache ist ein fairer Umgang mit der Community, vor allem mit Kindern. Für viele sind YouTuber glaubwürdige Vorbilder. Bei ihnen können sie sich etwas abschauen, sie bieten Orientierung. Dieser Verantwortung sollten sich YouTuber bewusst sein. Da bekommt der Begriff „Influencer“ noch eine ganz andere Bedeutung. Und das „Folge mir!“ auch.


Dieser Artikel stammt aus dem scout-Heft 1/2018: "Folge mir!"

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