YouTube

Der Internetliebling der Jugendlichen

Von Nagellack-Tipps bis Hausaufgabenhilfe – bei YouTube gibt es Videos zu fast jedem Thema. Das kommt besonders bei Jugendlichen super an. Aber was genau macht die Faszination der Online-Videos aus, und wie gehen Eltern am besten damit um?


Screenshot eines Videos von Bibis Beauty Palace auf YouTube
Quelle: Bibis Beauty Palace auf YouTube

Für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren ist YouTube heute so selbstverständlich wie für ihre Eltern das Fernsehen. „Ich sehe mir lustige Tiervideos an, aber auch Schminktipps oder suche mal Infos für ein Schulreferat“, berichtet die 16-Jährige Lucy aus Fürth. Sie gehört zu den sieben von zehn Jugendlichen, die laut JIM-Studie 2017 täglich Online-Videos auf YouTube schauen. Dabei stehen Musikvideos an erster Stelle. 53 Prozent sehen sie sich mindestens mehrmals pro Woche an. Besonders beliebt sind laut JIM-Studie außerdem Comedy-Clips von YouTubern (40 %), sonstige lustige Clips (39 %) und Let's_Play-Videos 35 %). Es folgen dann Mode- und Beauty-Videos und Fernsehsendungen (jeweils 15 %).

YouTube-Stars gelten als besonders authentisch

Von diversen Anleitungen bis zur Zerstreuung bietet YouTube für jedes Bedürfnis ein passendes Video. Neben dem breiten Angebot an Informationen, Unterhaltung und Entspannung gibt es einen weiteren Erfolgsfaktor: die Interaktivität. Angemeldete Nutzer können jedes Video kommentieren. Oft beantworten die YouTube-Stars selbst Fragen. Dadurch sind sie erreichbar und werden von Jugendlichen positiver wahrgenommen als Stars aus der klassischen Unterhaltungswelt. Sie wirken so nicht unerreichbar entfernt, sondern nah und greifbar - wie echte Freunde.

So hat der eigenwillige Nachrichtenproduzent LeFloid nicht nur 3 Millionen Abonnenten, sondern genießt auch eine stärkere Vorbildfunktion und höhere Glaubwürdigkeit als Entertainer Stefan Raab oder Schauspieler Til Schweiger. Gronkh, der zeigt, wie die Levels in Video-Games geknackt werden, und über vier Millionen Abonnenten hat, ist vielen nahbarer und glaubwürdiger als Welttorhüter Manuel Neuer. Und Bianca Heinicke (über drei Millionen Abonnenten) gilt mit ihren Schmink- und Modetipps auf „BibisBeautyPalace“ als glaubwürdiger und beliebter als Model Heidi Klum. Zu diesen Ergebnissen kommt die YouTube Creators Hauptstudie Oktober 2015.

Eltern stellt das Phänomen YouTube vor neue Herausforderungen

Aber wie gehen Eltern mit dem Phänomen um, das ihre Kinder so begeistert? Wir haben eine Mutter gefragt: „Meine Tochter Mia hat sich zuerst Katzenvideos angeschaut“, erzählt die Hamburgerin Sanja Stankovic. Dann bekam die 12-Jährige von einer Freundin einen heißen Tipp: „Bibis Beauty Palace“, von einem der zehn größten YouTube-Stars in Deutschland. „Sie hat uns gefragt, ob sie das gucken darf. Dann haben wir uns gemeinsam eine Folge angeschaut“, berichtet Stankovic. Seither läuft Bibi regelmäßig im Kinderzimmer. „Mia fragt vorher, aber ich würde auch so merken, wenn sie das guckt, weil dann immer lautes Lachen ertönt“, schmunzelt die Hamburgerin. „Ich glaube, diese Videos sind deshalb so erfolgreich, weil sie ganz normale Pubertäts-Themen behandeln – eben als wäre man mit der besten Freundin zusammen.“

Wenn ihre Tochter etwas Neues ausprobieren möchte, setzt Sanja Stankovic auf das Konzept „Familienkonferenz“: Haben die Eltern keine Bedenken, darf das Kind allein weitermachen.

YouTube ist immer verfügbar und nervt nicht

„Immer, wenn ich Lust habe, schaue ich YouTube auf meinem Handy. Ich finde das praktisch“, beschreibt auch die 16-jährige Lucy ihr Nutzungsverhalten. Die neue Art des Fernsehens ist immer und überall erreichbar und richtet sich im Gegensatz zum linearen TV nach dem Zuschauer, nicht umgekehrt. „Man kann selbst entscheiden, was man wann sehen will, und es gibt nicht so viel Werbung wie im TV. Und wenn es Werbung gibt, dann ist die besser gemacht und nervt weniger“, findet die 16-Jährige.

YouTube ist immer verfügbar und nervt nicht

„Immer, wenn ich Lust habe, schaue ich YouTube auf meinem Handy. Ich finde das praktisch“, beschreibt auch die 16-jährige Lucy ihr Nutzungsverhalten. Die neue Art des Fernsehens ist immer und überall erreichbar und richtet sich im Gegensatz zum linearen TV nach dem Zuschauer, nicht umgekehrt. „Man kann selbst entscheiden, was man wann sehen will, und es gibt nicht so viel Werbung wie im TV. Und wenn es Werbung gibt, dann ist die besser gemacht und nervt weniger“, findet die 16-Jährige.

Die Werbung wird bei YouTube-Videos vorgeschaltet und kann nach einigen Sekunden übersprungen werden. YouTuber stehen dabei immer wieder im Verdacht, ihren Zuschauern Schleichwerbung ohne Kennzeichnung unterzujubeln. „Aber das merkt man doch“, sagt Lucy überzeugt. „Nur weil einer sagt, das Produkt ist toll, laufe ich doch nicht gleich los und kaufe das!“ Ob Werbung aber tatsächlich immer so eindeutig erkennbar ist, wird aktuell heiß diskutiert. Um für die YouTuber selbst verbindlich und verständlich zu erklären, wie Werbung auf YouTube gekennzeichnet sein muss, haben die Medienanstalten übrigens einen Leitfaden (PDF Download) erstellt.

Wie kindersicher ist YouTube?

Jeder kann Videos auf YouTube hochladen – auch Tierquäler oder Terroristen. Wie gehen Eltern damit um? „Mia und ich wissen beide, dass es viele ungeeignete Inhalte für Kinder gibt, auf die man auf YouTube stoßen kann. Aber wenn ich ihr etwas verbiete, wird es nur noch interessanter“, meint Sanja Stankovic. Kinder könne man nicht komplett abschotten. Selbst wenn man Jugendschutzfilter und Sicherheitseinstellungen nutze, um das Risiko einzugrenzen, gäbe es in der Schule mindestens ein Kind, das vollen Zugang über das Smartphone hat. „Ich möchte, dass Mia lernt, selbst auf sich aufzupassen, auch im Internet. Deshalb sprechen wir ganz offen über Risiken und sichere Wege“, so die Hamburgerin.

Fazit: Kinder und Jugendliche lieben YouTube, weil es jederzeit Ratgeber, Unterhaltung und Tipps bietet, von Hausaufgaben über Games-Levels bis zu Mode und Musik. Aber neben den vielen interessanten Inhalten gibt es auf YouTube auch Inhalte, die für Kinder und Jugendliche nicht geeignet sind. Trotzdem kommen Eltern mit einem generellen YouTube-Verbot nicht weiter. Sie müssen ihre Kinder bei der YouTube-Nutzung vielmehr aktiv begleiten und sollten die vorhandenen Beschwerde- und Schutzmaßnahmen nutzen.


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