scout-Serie: Smarte Kindheit

Netflix, Maxdome & Co: Erst sichern, dann starten

Foto: Daniel Zube

Video-Streaming wird immer beliebter - auch in Familien mit Kindern. Doch sind Netflix, Maxdome oder Amazon Prime auch für Kinder geeignet?

Zu jedem beliebigen Zeitpunkt Filme abrufen, mehrere Folgen der Lieblingsserie am Stück sehen - Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime machen das möglich. Kaum zu glauben, aber wahr: Drei Viertel der Familien in Deutschland haben inzwischen Zugang zu einem solchen Dienst. Das hat der Medienpädagogische Forschungsverband Südwest (mpfs) in seiner aktuellen Studie (JIM-Studie 2018) herausgefunden.

Video-Streaming funktioniert über das Internet. Ansehen kann man die Inhalte zum Beispiel am PC oder auf dem Tablet - aber auch auf dem Fernseher, wenn dieser Internetzugang hat. Doch wie können Eltern verhindern, dass ihre Kinder über den Streamingdienst Sendungen sehen, die ihnen schaden können? Wie funktioniert da eigentlich der Jugendschutz? Die Jugendschutzvorkehrungen sind von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und nicht immer leicht zu finden. In jedem Fall gilt: Eltern müssen aktiv werden und sich um sinnvolle Jugendschutzeinstellungen kümmern! Wir zeigen, welche Möglichkeiten die drei bekanntesten Dienste - Netflix, Maxdome und Amazon Prime Video – bieten und wie sie sich umsetzen lassen.

Zunächst einmal gilt: Die Bestellung eines (Probe-)Abos ist Elternsache. Denn bei diesem Vorgang legen die Nutzer ein Passwort fest und erstellen ein Nutzerkonto. Dieses ist die zentrale Stelle, an der Eltern die nötigen Jugendschutzeinstellungen vornehmen können. Hier können sie eine Jugendschutz-PIN festlegen und eine Altersbeschränkung für den Abruf von Videos einrichten. Das bedeutet: Die Eltern legen in ihren Konto-Einstellungen eine PIN fest und definieren, bei welchen Filmen diese vor der Wiedergabe abgefragt wird. Auf einer Skala klicken sie an, welche Altersfreigabe ein Film maximal haben darf, um ihn ohne Eingabe der PIN ansehen zu können: „ab 0“, „ab 6“, „ab 12“, „ab 16“ oder „ab 18“.

Nachfolgend beschreiben wir, wie man die Konto-Einstellungen bei den einzelnen Diensten findet und welche Einstellungen jeweils vorgenommen werden können. Die Beschreibungen gelten für die Anmeldung über einen PC.

Netflix

  • Die Verwaltung des Nutzerkontos erreicht man, indem man auf das Smiley-Symbol in der Menüleiste zeigt und dann den Punkt „Konto“ anklickt.

  • Hier unter „Einstellungen“ den Punkt „Kindersicherung“ wählen.

  • Nach Eingabe des Konto-Passworts kann man eine Jugendschutz-PIN festlegen und eine Altersbeschränkung einrichten. Die möglichen Einstellungen lauten: „Kleine Kinder“ (ab 0 Jahren), „Ältere Kinder“ (ab 6), „Teenager“ (ab 12), „Ältere Teenager“ (ab 16), „Erwachsene“ (ab 18). Ist in den Konto-Einstellungen eine Altersbeschränkung festgelegt und möchte ein Nutzer Videos mit einer höheren Freigabe sehen, muss er die PIN eingeben. Das gilt auch für Eltern. Wird keine Altersbeschränkung eingerichtet, sind auch Inhalte „ab 18“ ohne PIN abrufbar. Gleiches gilt, wenn auf die Festlegung einer PIN verzichtet wird.

  • Zusätzlich kann man die PIN-Abfrage auch für einzelne Sendungen festlegen - unabhängig von deren Alterseinstufung.

  • Es kann bis zu 8 Stunden dauern, bis Änderungen an der Kindersicherung auf allen Geräten wirksam werden. In den Hilfsinformationen steht, wie man diesen Vorgang beschleunigen kann.

  • Auf Antrag von Netflix hat die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM) die Kindersicherung über die Konto-Einstellungen geprüft und als geeignetes Jugendschutzprogramm für geschlossene Systeme bewertet.

  • Daneben bietet Netflix die Möglichkeit, „Profile“ für die Familienmitglieder anzulegen, die den Streamingdienst nutzen. Zum Anlegen von Nutzerprofilen wird man gleich bei der Registrierung aufgefordert. Die Profile kann man mit einer Alterseinstufung versehen. Für ein Kinderprofil klickt man zunächst ein entsprechendes Kästchen an. Dann kann man zwischen den Altersstufen „Nur für kleine Kinder“ (Kinder unter 6 Jahren) und „Für ältere Kinder und darunter“ (Kinder unter 12 Jahren) wählen. Profile für ältere Nutzer kann man mit den Einstufungen „Teenager und darunter“ (Jugendliche unter 16 Jahren) oder „Alle Altersstufen“ versehen. Nach Auswahl der Altersstufe werden den Nutzern in ihrem Profil nur noch Filme und Serien angezeigt, die der voreingestellten Altersstufe entsprechen.

    Das Anlegen von Profilen allein bietet jedoch keinen ausreichenden Jugendschutz, denn Kinder und Teenager können ihr Profil mit einem Klick verlassen und die Profile der anderen Familienmitglieder nutzen - zum Beispiel das der Eltern. Ist in den Konto-Einstellungen keine Altersbeschränkung eingerichtet, können sie im Elternprofil alle Inhalte abrufen, die für dieses Profil zur Auswahl stehen.

    In den Hilfsinformationen für Nutzer steht daher folgender Hinweis: „Als Elternteil oder Erziehungsberechtigter ist es Ihre Aufgabe, sicherzustellen, dass Ihr Kind stets das richtige Profil verwendet“. Ob dieser Hinweis wirklich hilft, Verwechslungen zwischen den Kontoeinstellungen und den Profileinstellungen zu vermeiden, ist fraglich.

    Entscheidend ist: Einen sicheren Schutz bietet nur die Kindersicherung über die Konto-Einstellungen, denn diese wirkt sich auf alle Profile aus. Profile mit Alterseinstufung sind trotzdem nützlich, denn so erhalten die Kinder in ihrem Profil eine Vorauswahl aller Filme, die für ihr Alter geeignet sind. Am besten richtet man also beides ein.

Maxdome

  • Die Jugendschutz-PIN legt der Nutzer gleich bei der Registrierung fest. In den Konto-Einstellungen kann man Passwort und PIN ändern und eine Altersbeschränkung einrichten.
  • Dazu bei Maxdome einloggen, in der Menüleiste das Symbol für das Nutzerkonto („Mein Account“) anklicken und den Punkt „Altersfreigabe“ wählen. Für den Abruf von Filmen ab 18 weist man hier einmalig die Volljährigkeit nach, indem man die Personalausweisnummer eingibt.
  • Weiter unten kann man die „Altersfreigabe zum Kinderschutz“ aktivieren und einstellen, ab welcher Altersfreigabe die PIN abgefragt werden soll. Bei Filmen oder Serienfolgen mit der Freigabe „ab 18“ wird die PIN in jedem Fall abgefragt, auch wenn in den Kontoeinstellungen keine Altersbeschränkung festgelegt wurde.
  • Außerdem können Eltern eine „Bestellbestätigung für jugendgeschützte Inhalte“ aktivieren. Sie werden dann per E-Mail benachrichtigt, wenn über ihr Nutzerkonto ein FSK16- oder FSK18-Film abgerufen wurde.

Amazon Prime Video

  • Nach dem Einloggen bei Prime Video in der Menüleiste auf „Einstellungen“ klicken. Es öffnet sich ein Fenster mit der Überschrift „Konto & Einstellungen“.
  • Dort in der Menüleiste den Punkt „Wiedergabebeschränkungen“ anklicken. Beim erstmaligen Aufruf dieses Punkts muss man sein Alter durch Eingabe der Personalausweis-Nummer und einer Kontoverbindung bestätigen.
  • Anschließend kann man eine Video-PIN und die Altersbeschränkung einrichten. Die PIN braucht man in jedem Fall, wenn man Filme „ab 18“ ansehen will. Bei Filmen oder Serienfolgen mit dieser Freigabe wird die PIN immer abgefragt.
  • Die Altersbeschränkung für Videos „ab 18“ ist in den Konto-Einstellungen vorgegeben und kann nicht aufgehoben werden.
  • Zusätzlich kann man die PIN-Abfrage auch für den Kauf von Filmen und Serien aktivieren und sich so vor versehentlichen Käufen schützen.
  • Diese Kontoeinstellungen wirken sich nicht automatisch auf alle Wiedergabegeräte aus. Nutzt man zum Beispiel sogenannte „Fire-Geräte“ von Amazon oder die „Xbox One“, müssen die Beschränkungen direkt auf diesen Geräten eingestellt werden.

Fazit:

Eltern sind gefordert, bei Netflix, Maxdome und Amazon Prime für die richtigen Jugendschutz-Einstellungen zu sorgen. Das sollte in jedem Fall geschehen, bevor Kinder den abonnierten Dienst nutzen. Ausreichenden Kinderschutz bieten nur die Einstellungen im Nutzerkonto. Meist ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, wo diese zu finden sind: Eltern müssen aktiv danach suchen und die richtigen Einstellungen vornehmen.

Zur Sicherheit sollten sie testen, ob die Einstellungen auf allen Wiedergabegeräten funktionieren, die die Familie nutzt. Die kleine Mühe, bei Filmen mit höheren Freigaben die PIN einzugeben, sollten Eltern und gegebenenfalls große Geschwister im Interesse der Kinder auf sich nehmen. Außerdem sollten sie Passwort und Jugendschutz-PIN für sich behalten und nicht weitergeben. Dann ist der Jugendschutz weitgehend gesichert.

Einen hundertprozentigen Schutz kann jedoch auch das beste System nicht bieten. Eltern sollten sich daher über die Inhalte der Filme informieren, die ihre Kinder sehen, mit ihnen über die Filme sprechen und besonders mit jüngeren Kindern auch gemeinsam anschauen.



Schreiben Sie uns doch, was Sie davon halten – Anregungen, Kritik, Vorschläge für Artikel, was Ihnen unter den Nägeln brennt – unter mail@scout-magazin.de